Startseite Grooveboxes, Synth & Loop - Kurs-Karte (Beta) Heft 1Heft 2 DEEN
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Was ist überhaupt ein Live-Set?

TAKT 1TAKT 2 PulsFundament FlächeVordergrund PERCUSSIONBASS AKKORDESTIMME
Dieselben zwei Takte, vier Rollen. Der Puls ist dicht und kurz, das Fundament setzt Akzente, die Fläche liegt darunter durch, der Vordergrund kommt spät und unregelmäßig. Wer alle vier gleich dicht spielt, bekommt Matsch.

Zwei Fragen stecken drin: Wie kommt Material rein, selbst eingespielt oder vorprogrammiert? Und welche Rollen braucht ein Stück, damit es nach etwas klingt? Ein Gerät beantwortet nur die erste.

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Hör ein Lieblingslied und zähl die Rollen: Was trommelt, was brummt, was trägt die Melodie?

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Genauer, wenn du willst · 4 Abschnitte
KAP 01Woraus ein Live-Set besteht›Bevor es um Geräte geht, lohnt sich eine andere Frage: woraus besteht eigentlich das, was am Ende zu hören ist.1 min

Bevor es um Geräte geht, lohnt sich eine andere Frage: woraus besteht eigentlich das, was am Ende zu hören ist. Die Antwort ist bei fast jedem Stück dieselbe, egal ob Techno, Folk oder Beatbox.

Ein Live-Set hat zwei Seiten, und die meisten Missverständnisse entstehen daraus, dass man sie durcheinanderwirft. Die eine Seite ist technisch: wie kommt Material überhaupt in dein Set hinein. Die andere ist musikalisch: welche Rollen müssen besetzt sein, damit es nach etwas klingt. Ein Gerät beantwortet immer nur die erste Frage. Die zweite beantwortest du.

Die technische Seite: wie kommt etwas rein

Es gibt genau zwei Wege, Material in ein Live-Set zu bekommen, und die meisten kombinieren beide.

  • Loopen. Du spielst oder singst etwas und nimmst es im Moment auf. Das Material entsteht vor Publikum.
  • Sequenzen. Du programmierst ein Muster, das Gerät spielt es ab. Das Material kann vorher entstanden sein.

Die musikalische Seite: was gehört rein

Fast jedes Stück braucht dieselben Rollen, ganz unabhängig von der Technik:

Puls
Percussion
Fundament
Bass
Fläche oder Melodie
Instrumente
Vordergrund
Stimme

[Die Mitmach-Grafik dazu steht oben.]

Welches Instrument welche Rolle übernimmt, ist offen. Eine Stimme kann das Schlagzeug sein, ein Synthesizer den Bass spielen. Die Rollen bleiben gleich, die Besetzung wechselt von Stück zu Stück.

IM HEFT: KAP 01 · ALTE FASSUNG

KAP 18Vier Wege, live zu spielen›Live elektronische Musik ist kein Auflegen.3 min

Live elektronische Musik ist kein Auflegen. Beim Auflegen mischst du fertige Tracks. Auf den vier Wegen hier entsteht die Musik vor Publikum oder wird dort geformt. Die Wege stehen nebeneinander, keiner baut auf dem anderen auf.

Beardyman an seinem Beardytron aus iPads und Tastatur
Weg eins. Alles entsteht live. Beardyman an seinem selbst gebauten BeardytronVideostandbild DJ Mag
Bühnenaufbau von kristof7s
Weg zwei. Live geloopt, darüber Gesangsspuren aus fremden Songs. Der Aufbau von kristof7sBild loopypro.com
NTO spielt live oben auf der Tour Saint-Jacques in Paris, dahinter die Stadt in der Dämmerung
Weg drei. Das Arrangement läuft, geformt wird live. NTO auf der Tour Saint-Jacques in ParisVideostandbild Cercle
Hände auf einer Groovebox
Weg vier. Die Sequenzen liegen auf dem Gerät, spielen musst du sie selbstPressebild Novation

Weg eins: Alles live

Es gibt kein vorbereitetes Material. Alles entsteht vor Publikum, im Moment, und wird dort geloopt und übereinandergeschichtet.

Beardyman benutzt gar keine Samples. Er formt alles aus seiner eigenen Stimme, verändert sie mit Effekten und improvisiert den ganzen Abend. Sein Aufbau auf dem Bild heißt Beardytron, mehr dazu in Kapitel 19. Marc Rebillet macht ebenfalls alles live und improvisiert, nutzt dabei aber auch Samples.

Weg zwei: Live geloopt, fremde Stimmen darüber

kristof7s aus Kapitel 22 loopt sein Schlagzeug und seinen Synthesizer live. Darüber legt er Vocal-Stems, also herausgelöste Gesangsspuren aus bekannten Songs.

Interessant daran ist die Umkehrung. Beim Auflegen steckt die Stimme im fertigen Track, und du wählst den Track. Hier liegt nur die Stimme fest, und alles darunter entsteht in dem Moment.

Weg drei: Das Arrangement läuft, geformt wird live

Hier ist die Musik vorbereitet und liegt als horizontales Arrangement bereit. Horizontal heißt: das Stück liegt als Zeitleiste von links nach rechts vor dir, Spur unter Spur. Intro, Aufbau, Drop, Break und Outro stehen fest hintereinander, so wie in der Arrangement-Ansicht einer DAW. Drückst du auf Play, läuft alles von vorn bis hinten durch.

HORIZONTALES ARRANGEMENT DRUMS BASS SYNTH STIMME Intro Aufbau Drop Break Drop Outro Hall und Filter live gedreht länger laufen als geplant NACH DEM START LÄUFT ES VON ALLEIN VON LINKS NACH RECHTS
Ein horizontales Arrangement: jede Zeile eine Spur, jede Spalte ein Abschnitt. Nach dem Start läuft es von allein durch, live wird nur noch eingegriffen.

So spielt zum Beispiel NTO live. Seine Sequenzen sind vorbereitet und laufen linear ab, er muss nichts auslösen. Live dreht er an Parametern wie Hall und Filter. Und wenn er will, lässt er eine Sequenz länger laufen, als sie im Arrangement geplant war.

Das Gegenstück ist die Session-Ansicht aus Kapitel 19. Dort liegt nichts in fester Reihenfolge, du entscheidest live, was als Nächstes kommt.

Weg vier: Sequenzen auf dem Gerät, gespielt von dir

Deine Sequenzen liegen fertig auf dem Gerät, aber von allein läuft nichts. Du bist komplett dafür verantwortlich: welche Sequenz wann läuft, welche du miteinander kombinierst und wann gewechselt wird.

Und du gibst ihnen Leben, indem du an den Reglern drehst. Filter auf, Hall dazu, eine Spur raus, eine andere rein. Das ist der Unterschied zwischen Abspielen und Spielen.

Circuit Tracks, RC-505 und Keyboard von oben, eine Hand dreht am Regler
Von allein läuft nichts. Circuit Tracks, Loop Station und Keyboard: die Sequenzen liegen bereit, welche läuft und was sich ändert, entscheidet die HandVideostandbild Gray Contrast
Und Auflegen?

Beim Auflegen mischst du fertige Tracks, und der Übergang ist die eigentliche Disziplin. Ein Handwerk für sich, nur nicht das, was wir hier üben. Auf allen vier Wegen oben entsteht die Musik live oder wird live geformt.

Wofür der Kurs übt

Im Kurs arbeiten wir mit Groovebox und Loop Station. Das sind vor allem Weg vier und Weg eins.

IM HEFT: KAP 18 · ALTE FASSUNG

KAP 19Warum Ableton hier nicht im Zentrum steht›Ableton Live ist eine Software zum Produzieren und Auftreten und in diesem Feld ausgesprochen stark.2 min
Die Session-Ansicht von Ableton Live: Spalten mit Clips, darunter die Mischpultzüge
Das ist die Session-Ansicht von Ableton Live. Jede Spalte ist eine Spur, jedes farbige Feld darin ein fertiger Clip. Live drückst du die Felder an, und sie starten sauber auf dem nächsten Takt. Genau darin ist das Programm stark: fertiges Material im Moment neu anordnenHerstellerbild Ableton

Ableton Live ist eine Software zum Produzieren und Auftreten und in diesem Feld ausgesprochen stark. Im Kurs behandle ich sie trotzdem nicht in der Tiefe, aus zwei ehrlichen Gründen.

Erstens kann ich es selbst nicht gut genug, um es zu unterrichten. Ich kenne Leute, die darauf schwören und es besser vermitteln könnten als ich.

Zweitens passt es zu einer anderen Aufgabe. Ableton ist stark, wenn du deine Stücke fertig produziert hast und daraus eine Live-Fassung machen willst. Willst du ohne fertiges Material anfangen und im Moment erfinden, sind Loop Stations und Grooveboxen der direktere Weg.

Wer nach dem Kurs merkt, dass er eigentlich seine produzierten Songs live spielen will, ist dort genau richtig.

Ein Gegenbeispiel, das die Sache trotzdem kompliziert macht

Beardyman, für mich der stärkste Looper überhaupt, wenn es darum geht, aus nichts etwas zu machen, arbeitet ebenfalls mit Ableton. Nur eben nicht so, wie man es kaufen kann.

Sein Weg dahin ist selbst schon die ganze Geschichte dieses Hefts im Zeitraffer. Er fing mit einer Loop Station an, derselben RC-505 wie alle anderen. Dann ließ er sich von einem Programmierer ein eigenes System in C++ bauen, das Beardytron. Das konnte sehr viel, hatte aber einen Haken: er konnte es nicht selbst weiterentwickeln. Also hat er es um 2019 wieder aufgegeben und ist zu Ableton gewechselt, gesteuert über eine selbstgebaute Oberfläche. Inzwischen zieht er nach und nach zu Loopy Pro um, an dem er selbst mitentwickelt.

Der Satz, der daraus folgt

Sein Kriterium war nie, was ein Werkzeug alles kann, sondern ob er es selbst weiterbauen kann. Das teuerste, mächtigste System hat er weggeworfen, weil er dafür jedes Mal jemand anderen brauchte. Wenn du zwischen zwei Wegen schwankst, ist das die brauchbarste Frage: an welchem kommst du morgen ohne fremde Hilfe weiter?

IM HEFT: KAP 19 · ALTE FASSUNG

KAP 14Und jetzt?›Dieses Heft erklärt Begriffe.1 min
Hände auf einer Groovebox
Hier fängt es an. Alles in diesem Heft läuft auf diesen Moment zu: Hände auf einem Gerät, ohne dass vorher jemand erklärt, was erlaubt istPressebild Novation

Dieses Heft erklärt Begriffe. Es macht keine Musik. Das ist der Teil, der im Raum passiert.

Wenn du bis hierher gelesen hast, kannst du jedes Gerät im Kurs einordnen: du weißt, an welcher Stelle der Kette es sitzt, ob es Anweisungen oder Klang transportiert, und was es von seinem Nachbarn unterscheidet. Das reicht völlig. Alles andere lernt sich am Gerät und nicht am Text.

Der eine Satz, den ich hängen lassen würde

Es gibt kein Gerät, das dir das Zuhören abnimmt. Jede Kiste in diesem Heft ist ein Werkzeug für eine Entscheidung, die du selbst triffst, und zwar in dem Moment, in dem sie fällig ist.

Heft 2 geht weiter: wo das Loopen herkommt, wer davon lebt, welche Wege es gibt, und eine gestaffelte Liste, wo du weiterlernst.

IM HEFT: KAP 14 · ALTE FASSUNG