
Schau Leuten zu, die mit wenig Geräten viel machen. Such dir dann eine Arbeitsweise aus, kein Gerät.
Such dir unten eine Person aus und schau ein Video bis zum Ende. Notier eine Sache, die du klauen willst.
Sehr unterschiedliche Menschen, die dasselbe tun: Musik in Echtzeit bauen statt abspielen. Such dir aus, was dich anspringt.



TribalNeed spielt einen ganzen Abend mit einer einfachen Loop Station, einem Synth und einem Haufen akustischer Instrumente. Wer wissen will, wie weit man mit wenig Gerät kommt, schaut sich das an.
IM HEFT: KAP 17 · ALTE FASSUNG
Lange galt Loopen als etwas, das Gitarristinnen und Gitarristen mit den Füßen machen. Bodengeräte, Fußschalter, ein Pedal pro Funktion. Die Geräte wurden für Gitarre gebaut, beworben und verkauft.
Dub FX hat ein Gitarrengerät genommen und es auf seine Stimme angewendet. Die Boss RC-50 lag jahrelang bei ihm auf dem Bürgersteig, bedient mit den Füßen, während er Schlagzeug, Bass und Harmonien in ein Mikrofon machte. Dafür war das Gerät nicht gedacht. Kein Datenblatt und keine Anzeige hat je erwähnt, dass man damit Beatbox schichten könnte.
Diese eine Zweckentfremdung hat mehr ausgelöst als jede Produktentwicklung davor. Aus ihr kam eine ganze Beatbox-Loop-Szene, aus der Szene kamen Wettbewerbe, aus den Wettbewerben kam ein Gerät, das endlich für Hände und Stimmen gebaut war, und aus dessen Grenzen kam am Ende die Software. Der Anfang war jemand auf der Straße, der ein Werkzeug falsch benutzt hat.


Wichtig daran: die Wettbewerbe schrieben lange ein bestimmtes Gerät vor. Alle traten mit derselben Maschine an. Das erzeugte eine eigene Kunstform, weil sich niemand über bessere Ausstattung absetzen konnte, sondern nur über Ideen und Handwerk.


Was daraus geworden ist, unterschätzt man leicht. Die Loopstation-Battles bei Swissbeatbox und bei den Beatbox-Meisterschaften, unter anderem in Japan, sind heute eigene Disziplinen mit eigenem Publikum. Einzelne Runden haben zweistellige Millionenzahlen an Aufrufen. Für viele ist das der erste Ort, an dem sie so etwas überhaupt gesehen haben.
In diesen Battles treten alle mit derselben Maschine an, meistens einer RC-505. Niemand kann sich über Ausstattung absetzen. Es geht ausschließlich darum, was jemand aus einem Gerät herausholt, dessen Grenzen alle kennen. Genau darum dreht sich auch der Kurs: nicht mehr Geräte, sondern mehr aus dem, was du hast.
Anschauen lohnt sich, gerade wenn du selbst noch nicht loopst. Man versteht in fünf Minuten, was mit fünf Spuren möglich ist. Ein guter Einstieg ist das Halbfinale RYTHMIND gegen SO-SO von der Grand Beatbox Battle 2019, inzwischen weit über vierzehn Millionen Mal gesehen.
Der Teil, der meistens fehlt, wenn jemand diese Geschichte erzählt: das lief nicht in eine Richtung. Roland hat Beatboxer aus der ersten Reihe das Gerät testen lassen, bevor es fertig war. Leute, die damit auf Bühnen standen und in Wettbewerben antraten, haben gesagt, was fehlt, was im Weg ist und was unter Druck nicht funktioniert.
Deshalb sitzt an der RC-505 vieles da, wo eine Hand es im Dunkeln findet, und nicht da, wo es im Handbuch logisch aussieht. Das Gerät ist von Leuten geformt, die es benutzen mussten, während zweitausend Leute zuschauten.
Umgekehrt hat das Gerät die Szene geformt. Fünf Spuren sind eine Vorgabe, kein Naturgesetz. Ein Wettbewerbsstück, das in fünf Spuren passen muss, klingt anders als eines ohne diese Grenze. Eine ganze Generation von Loop-Sets ist in der Form gewachsen, die diese eine Maschine vorgegeben hat.
Genau die Leute, die das Gerät mitentwickelt hatten, waren irgendwann nicht mehr zufrieden damit. Nicht weil es schlecht war, sondern weil eine Kiste aus Blech vier Grenzen hat, die sich nicht verschieben lassen:
Ganz so fest ist Blech heute nicht mehr: manche Geräte bekommen per neuer Firmware ganz neue Funktionen, mehr dazu in Kapitel 27. Und die Grenzen haben eine gute Seite: in einer Kiste funktioniert in der Regel alles.
Die linke Spalte klingt nach Mangel, ist aber der Grund, warum viele bei Hardware bleiben. In einer Kiste funktioniert in der Regel alles, und jeder Knopf tut etwas Sinnvolles. Es gibt keine Einstellung, die nichts bewirkt, kein Menü, das ins Leere führt, und nichts, was man erst einrichten muss. Man macht das Gerät an und es ist genau so, wie man es verlassen hat.
In Software musst du dagegen ein Stück weit wie jemand denken, der etwas baut. Was passiert, wenn dieser Knopf gedrückt wird? Was soll er beim zweiten Mal tun? Wo soll er liegen? Das ist mehr Aufwand, bevor der erste Ton kommt, und es ist auch mehr, was schiefgehen kann.
Dafür ist es am Ende dankbarer, weil das Ergebnis dann wirklich dein Instrument ist und nicht das eines Herstellers. Beides ist eine legitime Entscheidung. Es hilft nur, sie bewusst zu treffen statt hineinzurutschen.
Nebenbei: „ohne Computer" ist bei Hardware streng genommen falsch. In jeder dieser Kisten steckt einer. Der Unterschied ist, dass er fest verbaut ist und genau eine Aufgabe hat.
Wer diese Grenzen erreicht, hat zwei Möglichkeiten: mehr Kisten kaufen und verkabeln, oder das Ganze in Software verlegen, wo sich die Oberfläche selbst bauen lässt. Der zweite Weg führt direkt zu Kapitel 21 und zu einem iPad.
Weil es in beide Richtungen geht. Dein Aufbau bestimmt mit, was du spielst. Wenn dir dabei eine Form aufgezwungen wird, die du gar nicht wolltest, liegt das nicht an dir, sondern am Aufbau.
IM HEFT: KAP 15 · ALTE FASSUNG
Das hier sind keine Lehrbücher für den Kurs, sondern zwei Empfehlungen von mir, weil beide bei mir etwas verändert haben.


Das Buch ist kein weiteres Theoriebuch. Es ist der Versuch zu zeigen, wie klein der Anteil ist, den die Noten am Ganzen haben. Wooten beschreibt zehn Elemente, die zusammen Musik ausmachen. Die Noten sind eins davon.
Im normalen Unterricht kommt fast nur das erste vor. Die anderen neun tauchen bestenfalls als Randbemerkung auf, obwohl sie darüber entscheiden, ob etwas gut klingt. Artikulation ist, wie ein Ton anfängt und aufhört. Feel ist, ob er minimal vor oder hinter dem Schlag liegt. Raum ist das, was du weglässt. Zuhören ist die Fähigkeit, während des Spielens noch etwas anderes wahrzunehmen als dich selbst.
Wer dieselbe Melodie zweimal spielt und zwei völlig verschiedene Ergebnisse bekommt, hat gerade neun andere Elemente in Aktion erlebt. Das Buch gibt ihnen Namen.
Für einen Kurs, in dem in Echtzeit improvisiert statt abgelesen wird, ist das die Grundlage. Wer live baut, hat keine Zeit, an Noten zu denken, und braucht die anderen neun umso mehr. Mir hat das Buch mein Verständnis von Musik grundlegend verändert, weg von Technik, hin zu etwas Größerem. In der Szene, in der ich unterwegs bin, wird es ohnehin von allen weiterempfohlen.
Er hat ein zweites Buch geschrieben. Ich finde das erste besser.
Kein Musikbuch, sondern eins über kreatives Arbeiten überhaupt. Es geht um Blockaden, um den inneren Kritiker und darum, wieder an die eigene Kreativität heranzukommen. Mir hat es geholfen, freier zu produzieren und mich weniger selbst auszubremsen.
IM HEFT: KAP 24 · ALTE FASSUNG
Fang oben an. Englisch steht vorn, weil dort deutlich mehr los ist. Wer lieber auf Deutsch lernt, springt gleich zum deutschen Block.
Dann nimm drei Sachen und lass den Rest liegen: den SINEE-Kurs, einen Nachmittag im Synthesizer Museum, und einen einzigen Kanal, dessen Musik dir gefällt. Alles andere findet dich von allein, sobald du weißt, was du suchst.
Mehrere Marken pro Zeile sind normal. Wer spielt und dabei erklärt, trägt beide.
Mein Kanal heißt @graycontrast. Dort liegen vor allem Mitschnitte von der Straße und aus Berlin. Zwei Sachen daraus passen direkt zu diesem Kurs.
Dieser Block steht bewusst hinten. Die Quellen hier sind nicht besser als die oben, sie sind auf Deutsch. Wenn Englisch für dich kein Hindernis ist, überspring ihn. Die Ausnahme ist Alexander Spree, der steht oben bei den Musikern, weil er dort hingehört.
Diese Kanäle sind seit Jahren still. Das Erklärte ist trotzdem richtig, Grundlagen veralten nicht.
Es gibt auf Deutsch keinen aktiven Kanal zum Live-Looping für Stimme oder Elektronik, kein aktuelles Material zu iPad-Musik und nichts frei Verfügbares aus Volkshochschulen oder Musikschulen. Ich habe nichts davon gefunden, und ich habe gesucht. Falls du doch etwas kennst: her damit, das gehört in die nächste Fassung.
Beide sind auf Englisch, beide sind kostenlos, und beide sind besser geschrieben als die meisten Lehrbücher.
Und wenn du irgendwann selbst etwas findest, das hier fehlt: schick es mir. Die nächste Fassung dieses Hefts ist dann besser als diese.
IM HEFT: KAP 25 · ALTE FASSUNG