Wo das Loopen herkommt, wer davon lebt, und was es von Auflegen und Produzieren unterscheidet.
Lange galt Loopen als etwas, das Gitarristinnen und Gitarristen mit den Füßen machen. Bodengeräte, Fußschalter, ein Pedal pro Funktion. Die Geräte wurden für Gitarre gebaut, beworben und verkauft.
Dub FX hat ein Gitarrengerät genommen und es auf seine Stimme angewendet. Die Boss RC-50 lag jahrelang bei ihm auf dem Bürgersteig, bedient mit den Füßen, während er Schlagzeug, Bass und Harmonien in ein Mikrofon machte. Dafür war das Gerät nicht gedacht. Kein Datenblatt und keine Anzeige hat je erwähnt, dass man damit Beatbox schichten könnte.
Diese eine Zweckentfremdung hat mehr ausgelöst als jede Produktentwicklung davor. Aus ihr kam eine ganze Beatbox-Loop-Szene, aus der Szene kamen Wettbewerbe, aus den Wettbewerben kam ein Gerät, das endlich für Hände und Stimmen gebaut war, und aus dessen Grenzen kam am Ende die Software. Der Anfang war jemand auf der Straße, der ein Werkzeug falsch benutzt hat.


Wichtig daran: die Wettbewerbe schrieben lange ein bestimmtes Gerät vor. Alle traten mit derselben Maschine an. Das erzeugte eine eigene Kunstform, weil sich niemand über bessere Ausstattung absetzen konnte, sondern nur über Ideen und Handwerk.


Was daraus geworden ist, unterschätzt man leicht. Die Loopstation-Battles bei Swissbeatbox und bei den Beatbox-Meisterschaften, unter anderem in Japan, sind heute eigene Disziplinen mit eigenem Publikum. Einzelne Runden haben zweistellige Millionenzahlen an Aufrufen. Für viele ist das der erste Ort, an dem sie so etwas überhaupt gesehen haben.
In diesen Battles treten alle mit derselben Maschine an, meistens einer RC-505. Niemand kann sich über Ausstattung absetzen. Es geht ausschließlich darum, was jemand aus einem Gerät herausholt, dessen Grenzen alle kennen. Genau darum dreht sich auch der Kurs: nicht mehr Geräte, sondern mehr aus dem, was du hast.
Anschauen lohnt sich, gerade wenn du selbst noch nicht loopst. Man versteht in fünf Minuten, was mit fünf Spuren möglich ist. Ein guter Einstieg ist das Halbfinale RYTHMIND gegen SO-SO von der Grand Beatbox Battle 2019, inzwischen weit über vierzehn Millionen Mal gesehen.
Der Teil, der meistens fehlt, wenn jemand diese Geschichte erzählt: das lief nicht in eine Richtung. Roland hat Beatboxer aus der ersten Reihe das Gerät testen lassen, bevor es fertig war. Leute, die damit auf Bühnen standen und in Wettbewerben antraten, haben gesagt, was fehlt, was im Weg ist und was unter Druck nicht funktioniert.
Deshalb sitzt an der RC-505 vieles da, wo eine Hand es im Dunkeln findet, und nicht da, wo es im Handbuch logisch aussieht. Das Gerät ist von Leuten geformt, die es benutzen mussten, während zweitausend Leute zuschauten.
Umgekehrt hat das Gerät die Szene geformt. Fünf Spuren sind eine Vorgabe, kein Naturgesetz. Ein Wettbewerbsstück, das in fünf Spuren passen muss, klingt anders als eines ohne diese Grenze. Eine ganze Generation von Loop-Sets ist in der Form gewachsen, die diese eine Maschine vorgegeben hat.
Genau die Leute, die das Gerät mitentwickelt hatten, waren irgendwann nicht mehr zufrieden damit. Nicht weil es schlecht war, sondern weil eine Kiste aus Blech vier Grenzen hat, die sich nicht verschieben lassen:
Ganz so fest ist Blech heute nicht mehr: manche Geräte bekommen per neuer Firmware ganz neue Funktionen, mehr dazu in Kapitel 27. Und die Grenzen haben eine gute Seite: in einer Kiste funktioniert in der Regel alles.
Die linke Spalte klingt nach Mangel, ist aber der Grund, warum viele bei Hardware bleiben. In einer Kiste funktioniert in der Regel alles, und jeder Knopf tut etwas Sinnvolles. Es gibt keine Einstellung, die nichts bewirkt, kein Menü, das ins Leere führt, und nichts, was man erst einrichten muss. Man macht das Gerät an und es ist genau so, wie man es verlassen hat.
In Software musst du dagegen ein Stück weit wie jemand denken, der etwas baut. Was passiert, wenn dieser Knopf gedrückt wird? Was soll er beim zweiten Mal tun? Wo soll er liegen? Das ist mehr Aufwand, bevor der erste Ton kommt, und es ist auch mehr, was schiefgehen kann.
Dafür ist es am Ende dankbarer, weil das Ergebnis dann wirklich dein Instrument ist und nicht das eines Herstellers. Beides ist eine legitime Entscheidung. Es hilft nur, sie bewusst zu treffen statt hineinzurutschen.
Nebenbei: „ohne Computer" ist bei Hardware streng genommen falsch. In jeder dieser Kisten steckt einer. Der Unterschied ist, dass er fest verbaut ist und genau eine Aufgabe hat.
Wer diese Grenzen erreicht, hat zwei Möglichkeiten: mehr Kisten kaufen und verkabeln, oder das Ganze in Software verlegen, wo sich die Oberfläche selbst bauen lässt. Der zweite Weg führt direkt zu Kapitel 21 und zu einem iPad.
Weil es in beide Richtungen geht. Dein Aufbau bestimmt mit, was du spielst. Wenn dir dabei eine Form aufgezwungen wird, die du gar nicht wolltest, liegt das nicht an dir, sondern am Aufbau.
Benjamin Stanford, Künstlername Dub FX, ist ein australischer Musiker, der als Straßenmusiker weltweit bekannt wurde. Er baut seine Stücke ausschließlich aus der eigenen Stimme: Beatbox als Schlagzeug, gesummter Bass, Harmonien, Effekte, darüber Gesang und Rap.
Das Gerät, mit dem er das jahrelang gemacht hat, war eine Boss RC-50, gebaut für Gitarristen. Sie lag bei ihm auf dem Boden, bedient mit den Füßen, während oben die Stimme lief. Genau diese Verschiebung ist sein eigentlicher Beitrag: nicht ein neuer Trick, sondern ein Werkzeug in einer Rolle, für die es niemand vorgesehen hatte. Wer heute mit einer Loop Station Beatbox macht, steht in dieser Linie, ob er es weiß oder nicht.
Sein Beitrag ist weniger ein technischer als ein didaktischer. Er hat den Vorgang sichtbar gemacht. Wer ihm zuschaut, versteht in zwei Minuten, was eine Loop Station tut, weil jede Schicht vor den Augen des Publikums entsteht.
Irgendwann traf er Michael Tyson, den Entwickler von Loopy Pro. Daraus wurde ein Austausch zwischen jemandem, der jeden Abend auf der Straße an die Grenzen seines Geräts stieß, und jemandem, der die Software dahinter schreiben konnte. Wer Kapitel 15 gelesen hat, erkennt das Muster wieder: dieselbe Schleife aus Spielenden und Bauenden, nur diesmal in Software statt in Blech.
Dub FX arbeitet heute nicht mehr mit der Hardware, mit der er berühmt wurde. Er hat seine Loop Station und seinen Hardware-Sampler durch ein iPad ersetzt und steuert alles über einen Controller.
Sehr unterschiedliche Menschen, die dasselbe tun: Musik in Echtzeit bauen statt abspielen. Such dir aus, was dich anspringt.



TribalNeed spielt einen ganzen Abend mit einer einfachen Loop Station, einem Synth und einem Haufen akustischer Instrumente. Wer wissen will, wie weit man mit wenig Gerät kommt, schaut sich das an.
Live elektronische Musik ist kein Auflegen. Beim Auflegen mischst du fertige Tracks. Auf den vier Wegen hier entsteht die Musik vor Publikum oder wird dort geformt. Die Wege stehen nebeneinander, keiner baut auf dem anderen auf.



Es gibt kein vorbereitetes Material. Alles entsteht vor Publikum, im Moment, und wird dort geloopt und übereinandergeschichtet.
Beardyman benutzt gar keine Samples. Er formt alles aus seiner eigenen Stimme, verändert sie mit Effekten und improvisiert den ganzen Abend. Sein Aufbau auf dem Bild heißt Beardytron, mehr dazu in Kapitel 19. Marc Rebillet macht ebenfalls alles live und improvisiert, nutzt dabei aber auch Samples.
kristof7s aus Kapitel 22 loopt sein Schlagzeug und seinen Synthesizer live. Darüber legt er Vocal-Stems, also herausgelöste Gesangsspuren aus bekannten Songs.
Interessant daran ist die Umkehrung. Beim Auflegen steckt die Stimme im fertigen Track, und du wählst den Track. Hier liegt nur die Stimme fest, und alles darunter entsteht in dem Moment.
Hier ist die Musik vorbereitet und liegt als horizontales Arrangement bereit. Horizontal heißt: das Stück liegt als Zeitleiste von links nach rechts vor dir, Spur unter Spur. Intro, Aufbau, Drop, Break und Outro stehen fest hintereinander, so wie in der Arrangement-Ansicht einer DAW. Drückst du auf Play, läuft alles von vorn bis hinten durch.
So spielt zum Beispiel NTO live. Seine Sequenzen sind vorbereitet und laufen linear ab, er muss nichts auslösen. Live dreht er an Parametern wie Hall und Filter. Und wenn er will, lässt er eine Sequenz länger laufen, als sie im Arrangement geplant war.
Das Gegenstück ist die Session-Ansicht aus Kapitel 19. Dort liegt nichts in fester Reihenfolge, du entscheidest live, was als Nächstes kommt.
Deine Sequenzen liegen fertig auf dem Gerät, aber von allein läuft nichts. Du bist komplett dafür verantwortlich: welche Sequenz wann läuft, welche du miteinander kombinierst und wann gewechselt wird.
Und du gibst ihnen Leben, indem du an den Reglern drehst. Filter auf, Hall dazu, eine Spur raus, eine andere rein. Das ist der Unterschied zwischen Abspielen und Spielen.
Beim Auflegen mischst du fertige Tracks, und der Übergang ist die eigentliche Disziplin. Ein Handwerk für sich, nur nicht das, was wir hier üben. Auf allen vier Wegen oben entsteht die Musik live oder wird live geformt.
Im Kurs arbeiten wir mit Groovebox und Loop Station. Das sind vor allem Weg vier und Weg eins.
Ableton Live ist eine Software zum Produzieren und Auftreten und in diesem Feld ausgesprochen stark. Im Kurs behandle ich sie trotzdem nicht in der Tiefe, aus zwei ehrlichen Gründen.
Erstens kann ich es selbst nicht gut genug, um es zu unterrichten. Ich kenne Leute, die darauf schwören und es besser vermitteln könnten als ich.
Zweitens passt es zu einer anderen Aufgabe. Ableton ist stark, wenn du deine Stücke fertig produziert hast und daraus eine Live-Fassung machen willst. Willst du ohne fertiges Material anfangen und im Moment erfinden, sind Loop Stations und Grooveboxen der direktere Weg.
Wer nach dem Kurs merkt, dass er eigentlich seine produzierten Songs live spielen will, ist dort genau richtig.
Beardyman, für mich der stärkste Looper überhaupt, wenn es darum geht, aus nichts etwas zu machen, arbeitet ebenfalls mit Ableton. Nur eben nicht so, wie man es kaufen kann.
Sein Weg dahin ist selbst schon die ganze Geschichte dieses Hefts im Zeitraffer. Er fing mit einer Loop Station an, derselben RC-505 wie alle anderen. Dann ließ er sich von einem Programmierer ein eigenes System in C++ bauen, das Beardytron. Das konnte sehr viel, hatte aber einen Haken: er konnte es nicht selbst weiterentwickeln. Also hat er es um 2019 wieder aufgegeben und ist zu Ableton gewechselt, gesteuert über eine selbstgebaute Oberfläche. Inzwischen zieht er nach und nach zu Loopy Pro um, an dem er selbst mitentwickelt.
Sein Kriterium war nie, was ein Werkzeug alles kann, sondern ob er es selbst weiterbauen kann. Das teuerste, mächtigste System hat er weggeworfen, weil er dafür jedes Mal jemand anderen brauchte. Wenn du zwischen zwei Wegen schwankst, ist das die brauchbarste Frage: an welchem kommst du morgen ohne fremde Hilfe weiter?


Eurorack ist ein Baukastenstandard für Hardware. Statt eines fertigen Synthesizers kaufst du einzelne Bausteine: einen Oszillator, ein Filter, eine Hüllkurve, einen Sequenzer, jeweils als eigenes Modul. Du verkabelst sie selbst und bestimmst damit, was dein Instrument überhaupt ist.
Es ist genau die Kette aus Heft 1, nur auseinandergenommen: die Stationen werden zu einzelnen Geräten, die man beliebig zusammensteckt. Der Preis dafür ist, dass nichts vorkonfiguriert ist und man jede Entscheidung selbst treffen muss. Für den Einstieg ist das der falsche Weg, für später einer der interessantesten.
Die Module reden nicht über MIDI, sondern über CV, also Steuerspannung: ein Kabel trägt eine Spannung, und die sagt dem nächsten Modul, wie hoch, wie laut oder wie offen. Der Takt ist dort einfach ein kurzer Spannungsimpuls pro Schritt. Das ist der CV-Weg aus Heft 1, Kapitel 04.
Zwei Adressen reichen, um das Ganze am Rechner durchzuspielen. VCV Rack ist ein kostenloses Modularsystem als Software, in dem echte Module nachgebaut sind. Bei ModularGrid stellst du dir ein Gehäuse zusammen und siehst sofort, was es kostet und ob es hineinpasst. Beides ist der billigste Weg herauszufinden, ob dich das überhaupt interessiert.
Loopy Pro
Die Software, mit der ich arbeite. Entwickelt von Michael Tyson, einem unabhängigen Entwickler, der sie bis heute selbst betreut.
Der Anfang war ein Experiment auf dem iPhone. Tyson hatte Imogen Heap live loopen sehen und wollte herausfinden, was auf so einem Gerät möglich ist.
Bis 2012 konnten iOS-Musikapps nicht miteinander sprechen. Leute schrieben Tyson, ihr Gitarrenverstärker klinge super, aber in Loopy komme nur das trockene Signal an. Sein erster Reflex war, dass iOS eben so funktioniere. Dann kamen genug solcher Mails, dass er sich fragte, warum es eigentlich nicht so funktionieren sollte.
Audiobus Der erste Weg, auf dem zwei iOS-Musikapps ihr Audio aneinander weiterreichen konnten. Von Michael Tyson, demselben Entwickler wie Loopy Pro.Daraus wurde Audiobus, das erste System, mit dem iOS-Musikapps ihr Audio aneinander weiterreichen konnten. Apple zog nach, und seit 2015 gibt es den heutigen Standard: AUv3. Audiobus kam von ihm, AUv3 dann von Apple. Der Anstoß, dass iOS-Musikapps überhaupt miteinander reden, kam also aus der App-Ecke und nicht vom Hersteller des Geräts.
Ein AUv3-Plugin ist keine eigenständige App, sondern eine Erweiterung. Du kaufst im App Store einen Synthesizer. Der erscheint als Icon auf dem Homescreen und gleichzeitig als Baustein in der Liste jedes Host-Programms. Loopy Pro ist so ein Host. Der Synth läuft dann innerhalb von Loopy Pro, und sein Klang landet direkt auf einer Loop-Spur.
Wer vom Rechner kommt, kennt das unter einem anderen Namen: was VST auf Windows und Mac ist, ist AUv3 auf dem iPad. Dieselbe Idee, dasselbe Prinzip, andere Abkürzung. Viele Hersteller bauen beides, teils sogar dieselben Geräte. Sugar Bytes zum Beispiel, deren Turnado auf dem Rechner seit Jahren als Effektschleuder bekannt ist, gibt es genauso als AUv3 fürs iPad.
Praktisch heißt das: ein iPad, eine laufende App, darin Drum Machine, Synthesizer, Gitarrenverstärker und Hall gleichzeitig, alle in dieselbe Loop-Struktur geroutet. Kein Wechseln zwischen Apps, ein Projekt, ein Speicherstand.
Aus meiner eigenen Sammlung, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Damit du sie im App Store wiedererkennst, stehen hier die Symbole daneben, so wie sie auf dem Homescreen aussehen.
TurnadoSugar Bytes · Effekte
BLEASSSynths und Effekte
BlackholeEventide · Hall
MelaSynth, Effekte, MIDI
Fast alles davon gibt es als kostenlose Grundversion. Nimm erst die, spiel damit zwei Wochen, und kauf danach das, was dir tatsächlich gefehlt hat. Eine volle Plugin-Sammlung macht noch kein Set.
Der Hersteller selbst beschreibt Loopy Pro mit einem Satz, der die Sache trifft: „Loopy Pro is like musical Lego." Du legst dir Loops, Knöpfe, Regler, Flächen und Raster selbst auf die Oberfläche, so wie du sie brauchst.
Der Satz ist Werbung, trifft die Sache aber: die App gibt bewusst keinen festen Arbeitsablauf vor. Zwei Leute mit derselben App können zwei völlig verschiedene Instrumente vor sich haben. Deshalb schauen wir im Kurs zuerst, was du eigentlich spielen willst, und erst danach, welche Knöpfe dafür nötig sind.


Weil das Kapitel sonst erklärt, was die App ist, und nicht, was man tut: der Ablauf ist derselbe wie an jeder Loop Station aus Heft 1, nur dass die Fläche auf dem Bildschirm liegt.
Der Unterschied zur Hardware ist, dass du selbst bestimmst, wie viele Kacheln du siehst, wie groß sie sind und was daneben liegt. Bei einer Loop Station sind fünf Spuren fünf Spuren. Hier legst du dir hin, was dein Stück braucht.
Loopen selbst kostet kaum Rechenleistung. Teuer wird es dort, wo Klang berechnet wird, also bei Synthesizern und komplexen Effekten. Ein älteres iPad reicht für reines Loopen erstaunlich weit.
Der Platz ist aber nicht unendlich. Egal wie viele Plugins du gekauft hast, gleichzeitig laufen können immer nur so viele, wie das Gerät verkraftet. Genau deshalb benutzen die meisten für die Klangerzeugung etwas Externes: einen Hardware-Synth, die eigene Stimme, ein Instrument. Ich selbst lasse die Synths inzwischen auf einem kleinen Linux-Rechner laufen und schicke nur noch Audio ins iPad. Das iPad macht dann das, was es am besten kann, nämlich loopen und arrangieren.
Eine Mac-Fassung von Loopy Pro ist angekündigt, ein Datum gibt es nicht. Wer heute plant, sollte mit dem iPad planen.
Weil „bau dir deine Oberfläche selbst" abstrakt bleibt, hier einmal ausführlich, wie das jemand tut, der davon lebt. Aus seinem eigenen Interview auf der Loopy-Pro-Seite, übersetzt und zusammengefasst.
Nach der Auflösung seiner Schulband stand er allein im Proberaum, mit einer Gitarre und einem kleinen Looper, der ungefähr fünfzehn Sekunden auf einer einzigen Spur konnte. Genau das reichte, um zu merken, dass eine Person allein etwas Größeres in Echtzeit bauen kann. Danach kamen ein besserer Looper, die RC-505, Beatbox-Battles und Straßenmusik. Dub FX war dabei früh ein Vorbild, weil man einen ganzen Song vor sich entstehen sah.
Loopy Pro hat er zum ersten Mal von Dub FX gezeigt bekommen, als frühe Testversion auf einem iPhone. Damit schließt sich der Kreis aus Kapitel 15: die Beatbox-Szene und die Software haben sich gegenseitig gefunden, lange bevor irgendjemand davon wusste.
Ich habe seine Arbeitsweise vor einiger Zeit vollständig aufgeschrieben und ins Netz gestellt: das Kristof7s-Kompendium. Darin steht deutlich mehr als hier, unter anderem sein Drum-Workflow, das Stapeln von Effekten, Sidechain, Buildups mit Crash auf der Eins und sein Acapella-System. Es gibt die Seite auch auf Englisch, falls dir das leichter fällt.
Nicht die Anzahl der Knöpfe. Sondern dass die Oberfläche aus seinem Spielen entstanden ist und nicht umgekehrt. Er hat nicht überlegt, was die App kann, sondern was er tun wollte, und danach gebaut.
Auf der Loopy-Pro-Seite gibt es Porträts von Musikerinnen und Musikern. Am meisten lernt man daraus, wie unterschiedlich dasselbe Werkzeug benutzt wird.






Porträts von loopypro.com, Artist Spotlights.
Alle unter loopypro.com/artist-spotlights. Straßenmusik, Beatbox, Ukulele, Gitarre, Soul, Elektronik. Dasselbe Programm, völlig andere Musik.
Das hier sind keine Lehrbücher für den Kurs, sondern zwei Empfehlungen von mir, weil beide bei mir etwas verändert haben.


Das Buch ist kein weiteres Theoriebuch. Es ist der Versuch zu zeigen, wie klein der Anteil ist, den die Noten am Ganzen haben. Wooten beschreibt zehn Elemente, die zusammen Musik ausmachen. Die Noten sind eins davon.
Im normalen Unterricht kommt fast nur das erste vor. Die anderen neun tauchen bestenfalls als Randbemerkung auf, obwohl sie darüber entscheiden, ob etwas gut klingt. Artikulation ist, wie ein Ton anfängt und aufhört. Feel ist, ob er minimal vor oder hinter dem Schlag liegt. Raum ist das, was du weglässt. Zuhören ist die Fähigkeit, während des Spielens noch etwas anderes wahrzunehmen als dich selbst.
Wer dieselbe Melodie zweimal spielt und zwei völlig verschiedene Ergebnisse bekommt, hat gerade neun andere Elemente in Aktion erlebt. Das Buch gibt ihnen Namen.
Für einen Kurs, in dem in Echtzeit improvisiert statt abgelesen wird, ist das die Grundlage. Wer live baut, hat keine Zeit, an Noten zu denken, und braucht die anderen neun umso mehr. Mir hat das Buch mein Verständnis von Musik grundlegend verändert, weg von Technik, hin zu etwas Größerem. In der Szene, in der ich unterwegs bin, wird es ohnehin von allen weiterempfohlen.
Er hat ein zweites Buch geschrieben. Ich finde das erste besser.
Kein Musikbuch, sondern eins über kreatives Arbeiten überhaupt. Es geht um Blockaden, um den inneren Kritiker und darum, wieder an die eigene Kreativität heranzukommen. Mir hat es geholfen, freier zu produzieren und mich weniger selbst auszubremsen.
Fang oben an. Englisch steht vorn, weil dort deutlich mehr los ist. Wer lieber auf Deutsch lernt, springt gleich zum deutschen Block.
Dann nimm drei Sachen und lass den Rest liegen: den SINEE-Kurs, einen Nachmittag im Synthesizer Museum, und einen einzigen Kanal, dessen Musik dir gefällt. Alles andere findet dich von allein, sobald du weißt, was du suchst.
Mehrere Marken pro Zeile sind normal. Wer spielt und dabei erklärt, trägt beide.
Mein Kanal heißt @graycontrast. Dort liegen vor allem Mitschnitte von der Straße und aus Berlin. Zwei Sachen daraus passen direkt zu diesem Kurs.
Dieser Block steht bewusst hinten. Die Quellen hier sind nicht besser als die oben, sie sind auf Deutsch. Wenn Englisch für dich kein Hindernis ist, überspring ihn. Die Ausnahme ist Alexander Spree, der steht oben bei den Musikern, weil er dort hingehört.
Diese Kanäle sind seit Jahren still. Das Erklärte ist trotzdem richtig, Grundlagen veralten nicht.
Es gibt auf Deutsch keinen aktiven Kanal zum Live-Looping für Stimme oder Elektronik, kein aktuelles Material zu iPad-Musik und nichts frei Verfügbares aus Volkshochschulen oder Musikschulen. Ich habe nichts davon gefunden, und ich habe gesucht. Falls du doch etwas kennst: her damit, das gehört in die nächste Fassung.
Beide sind auf Englisch, beide sind kostenlos, und beide sind besser geschrieben als die meisten Lehrbücher.
Und wenn du irgendwann selbst etwas findest, das hier fehlt: schick es mir. Die nächste Fassung dieses Hefts ist dann besser als diese.
Rhythmus und Tonhöhe sind dasselbe, nur unterschiedlich schnell. Wer das einmal gehört hat, versteht, warum Akkorde klingen, warum jeder Ton eine Farbe hat und warum dein Synth einen Regler für die Feinstimmung braucht.
Spiel eine Kick zweimal pro Sekunde, und du zählst mit. Zehnmal pro Sekunde, und es wird ein Wirbel. Ab etwa 20 Schlägen pro Sekunde hört dein Ohr auf zu zählen und hört eine Tonhöhe. Die Schläge pro Sekunde heißen dann Hertz (Hz). 110 Schläge pro Sekunde sind ein A, 220 das A eine Oktave darüber: doppelt so schnell heißt eine Oktave höher.
Spielen zwei Trommeln gleichzeitig, die eine dreimal, während die andere zweimal schlägt, hörst du einen Polyrhythmus 3 : 2. Beschleunigst du beide gleich stark, wird daraus eine Quinte. Drei Trommeln im Verhältnis 4 : 5 : 6 werden ein Dur-Akkord. Dieselben Zahlen, die langsam als Groove laufen, klingen schnell als Harmonie. In der Web-Fassung dieses Hefts kannst du es oben selbst hören und umschalten.
Ein gespielter oder gesungener Ton ist nie nur eine Frequenz. Über dem Grundton schwingen Obertöne mit dem Doppelten, Dreifachen, Vierfachen und so weiter (Heft 1, Kapitel 13, Sinustöne addieren). Hört man sie einzeln, sind es klare Töne: Oktave, Quinte, wieder Oktave, große Terz. Die Obertöne 4, 5 und 6 sind genau der Dur-Akkord aus dem Trommelversuch. Erst zusammen, und wenn sie sich gemeinsam bewegen, hört dein Ohr einen einzigen Klang mit einer Farbe.
Das zeige ich am Synth, nicht im Video. Auf dem Mac laufen dafür zwei kostenlose Programme neben dem Synth: Signalizer (Open Source, als Plugin und als eigenes Programm) zeigt das Spektrogramm, also die Obertöne als Linien auf einer Zeitachse, die nach links wegläuft, dazu das Spektrum als Ausschläge und ein Oszilloskop. sMexoscope (GPL) ist ein schlichtes, groß lesbares Oszilloskop für die stehende Welle. Beide kannst du dir selbst installieren und hinter jeden Synth in deiner App oder DAW hängen.
Reine Intervalle aus der Obertonreihe passen nicht lückenlos in zwölf gleiche Halbtöne. Die gleichstufige Stimmung, die fast jedes Keyboard, jede Groovebox und jede DAW benutzt, teilt die Oktave in zwölf gleiche Schritte zu je 100 Cent. Dafür ist jedes Intervall außer der Oktave ein wenig verschoben. Die Quinte nur um 2 Cent, die große Terz um 14 Cent nach oben. Hören kannst du das als Schwebung (Heft 1, Kapitel 13): Obertöne der beiden Töne liegen fast, aber nicht genau aufeinander, und der Klang schwillt an und ab.
Wenn rein schöner klingt, warum stimmt man dann nicht einfach alles rein? Weil Musik die Tonart wechselt. Stimmst du ein Tasteninstrument rein in C, klingt C-Dur perfekt. Spielst du darauf aber d-Moll, ist dessen Quinte D-A nur 680 statt 702 Cent groß. Der Akkord jault hörbar. Hör dir die Akkordfolge unten in beiden Stimmungen an.
Die Lösung ist, die Oktave in gleiche Schritte zu teilen. Dann klingt jede Tonart gleich gut, keine ganz rein. Bleibt die Frage, wie viele Schritte. Die Grafik zeigt die Teilungen von 5 bis 19, dazu gestrichelt die Obertöne des Grundtons, also die Stellen, an denen es rein klingt. Mit 12 Schritten liegen Quinte und Quarte nur 2 Cent neben den reinen, die Terzen 14 bis 16 Cent. Keine kleinere Teilung kommt da heran, und viel mehr Tasten pro Oktave wären kaum zu spielen. Teilungen wie 19 oder 31 treffen die Terzen sogar besser, sie werden in der Mikrotonalmusik benutzt.
Fast jeder Synth hat zwei Stimmregler: Tune in Halbtönen und Fine in Cent. Klingen zwei Geräte zusammen schief, liegt es meist an Fine oder an der Grundstimmung (oft Master Tune genannt, Standard 440 Hz für das A). Detune zwischen zwei Oszillatoren ist dagegen Absicht: die Schwebung macht den Klang breit. Manche Synths und Apps laden außerdem ganz andere Stimmungen, das heißt dann Microtuning.
Angeregt von drei Instagram-Reels aus meiner Sammlung, Grafiken und Ton hier sind eigene Umsetzungen: @thel.ab67, wann aus einem Schlag ein Ton wird, @benfilippone, Obertöne werden eine Stimme, @zacbradfordvoice, Obertöne der Stimme. Zur Frage, warum zwölf: Piano Mario, „Why are there 12 different notes?“ (englisch, ab 12:11).
Seit Herbst 2026 hat sich etwas verschoben: Leute schreiben mit Hilfe von KI-Werkzeugen eigene Betriebssysteme für Synths und Grooveboxen. Ein Gerät für unter 100 Euro kann dadurch Dinge, die vor einem Jahr nur teure Kisten konnten. Wer fragt, welcher Synth günstig und gut ist, sollte das kennen.

Der M-VAVE FM-1 (auch unter dem Namen Cuvave verkauft) ist ein kleiner FM-Synth im Stil des Yamaha DX7: 6 Operatoren, 32 Algorithmen, 128 Presets, Arpeggiator, 16-Step-Sequencer, MIDI über USB und Klinke. Er kostet meist deutlich unter 100 Euro, bei AliExpress und eBay gab es ihn im Herbst 2026 für etwa 55 bis 70 Euro. Ab Werk ist er ein solider, eher unspektakulärer Taschensynth.
Spannend wurde er durch die Community. Erst haben Leute die Firmware auseinandergenommen, dann hat M-VAVE selbst reagiert und im Oktober 2026 eine offene Firmware mit Entwickler-Werkzeugen veröffentlicht (FM1 Open, mit einer Workbench im Browser). Auf fm1-editor.com/firmware stehen inzwischen über 200 alternative Firmwares: andere Synth-Engines (zum Beispiel ein analog klingender Synth), Grooveboxen mit 8 Spuren, Sampler, generative Spielzeuge, sogar eine Fassung, die das Gerät zur Computertastatur macht. Die meisten sind kostenlos, manche kosten ein paar Euro.
Die meisten Firmwares installierst du direkt aus dem Browser (Chrome oder Edge) über USB oder mit dem Update-Programm des Herstellers. Programmieren musst du nicht, KI brauchst du zum Benutzen auch nicht. Vorher: eigene Sounds und Projekte sichern und die Original-Firmware bereithalten. Zurück zur Werks-Firmware geht es mit dem Hersteller-Tool (M-UPGRADE), bei vielen Firmwares gibt es zusätzlich einen Rettungsmodus beim Einschalten. Aber: nicht jede Firmware ist ausgereift, manche sind ausdrücklich experimentell, und eine Garantie gibt dir dafür niemand. Lies bei jeder Firmware zuerst die Anleitung des Entwicklers.
Dasselbe gibt es für teurere Geräte, etwa die Elektron Model:Cycles, dort noch mit mehr Risiko.
Dasselbe passiert bei teureren Geräten. Für die Elektron Model:Cycles gibt es seit Oktober 2026 Modded Cycles: ein Werkzeug im Browser, das die offizielle Firmware deiner eigenen Box erweitert. Danach kann sie unter anderem sechs Spuren einzeln über USB in den Computer schicken (so etwas kannte man sonst nur von Overbridge bei den größeren Elektron-Geräten), bekommt zusätzliche Engines, einen Sampler und einen Arpeggiator. Ein weiteres Projekt heißt Model-TG. Für ältere Geräte wie Octatrack, Digitakt und Digitone der ersten Generation gibt es ebenfalls Mods, auch für die Roland SP-404MKII, die Blackbox oder die alte MPC500.
Gebrauchte Model:Cycles werden dadurch für wenig Geld deutlich interessanter. Aber: Die Firmware ist teils noch Alpha, Nutzer berichten von Fehlern, und es gibt ein Risiko, das Gerät vorübergehend unbrauchbar zu machen. Elektron selbst hat im September 2026 erklärt, dass Mods und Anleitungen in seinem Forum nicht mehr geteilt werden dürfen, weil schlecht getestete Firmware Geräte beschädigen kann. Verboten ist das Modden des eigenen Geräts damit nicht, nur das Teilen dort.
Am eigenen Gerät ist das in Deutschland in der Regel erlaubt, auf eigenes Risiko.
Kurz und ohne Rechtsberatung: Das Gerät gehört dir. Das deutsche Urheberrecht erlaubt dir Handlungen, die für die bestimmungsgemäße Benutzung einer Software nötig sind, und das Beobachten und Testen, wie sie funktioniert (§ 69d UrhG); Rückübersetzen ist eng erlaubt, um Zusammenarbeit mit anderen Programmen herzustellen (§ 69e UrhG). Wie weit das bei gepatchter Hersteller-Firmware reicht, ist rechtlich nicht abschließend geklärt. Praktisch wichtiger: Wenn durch fremde Firmware etwas kaputtgeht, kann der Hersteller die Reparatur auf Garantie ablehnen. Bei einem 60-Euro-Gerät ist das Risiko klein, bei einer teuren Groovebox überleg es dir.
Kurz: KI-Werkzeuge machen eigene Firmware billiger, und erste Hersteller öffnen ihre Geräte dafür.
Dass so viele Firmwares so schnell entstehen, liegt auch an KI: Programmier-Assistenten helfen, fremden Code zu lesen, Funktionen zu benennen und eigene Erweiterungen zu bauen. Hersteller reagieren darauf. M-VAVE hat die Firmware geöffnet, und Behringer hat mit der KICK einen MPC-artigen Sampler mit Touchscreen und 16 Pads angekündigt, dessen Software laut Berichten offen auf GitHub liegen soll. Preis und Termin sind noch offen. Ableton Move hat mit Schwung und Movy ebenfalls Erweiterungen aus der Community. Gut möglich, dass günstige Hardware künftig weniger ein fertiges Produkt ist und mehr eine Plattform, die mit ihren Nutzern wächst.
Suchst du einen günstigen ersten Synth: Der FM-1 ist für das Geld kaum zu schlagen, und mit einer anderen Firmware wird er ein ganz anderes Instrument. Ein paar Dinge im Kopf behalten: FM-Synthese ist am Anfang schwerer zu verstehen als ein klassischer Filter-Synth (Heft 1, Kapitel 13), das Gerät ist klein und die Bedienung fummelig, und Lieferzeiten aus China können Wochen dauern.
Quellen, Stand 02.11.2026: Synthtopia, M-VAVE öffnet die FM-1-Firmware, Firmware-Verzeichnis fm1-editor.com, Synth Anatomy zum FM-1, Synth Anatomy zu Modded Cycles, Modded Cycles Wiki, Gearnews, Custom-Firmware boomt, CDM, Elektron zu Hacks und Mods, Dubspot, KI und Custom-Firmware, MusicRadar zur Behringer KICK, § 69d UrhG, § 69e UrhG.