Einmal drücken: Aufnahme. Nochmal drücken: Der Loop läuft im Kreis. Jetzt legst du die nächste Spur obendrauf, und noch eine.
Klatsch vier Schläge in einen Looper oder in Loopy Pro, drück zweimal, dann klatsch ein zweites Muster dazu.
Eine Loop Station nimmt einen kurzen Abschnitt auf und wiederholt ihn sofort und endlos. Während er läuft, spielst du die nächste Schicht darüber, und die nächste. So entsteht vor dem Publikum aus einer einzelnen Stimme ein ganzer Track.


Das Entscheidende ist nicht die Technik, sondern was sie mit der Zeit macht. In einer normalen Aufnahme baust du nacheinander und korrigierst später. Beim Loopen passiert der Aufbau live und in eine Richtung. Was du aufnimmst, bleibt erstmal. Deshalb hört man beim Loopen so genau hin: die erste Schicht entscheidet über alles, was danach kommt.
[Die Mitmach-Grafik dazu steht oben.]
Jedes Gerät heißt anders, aber die Bedienung ist überall dieselbe Handvoll Entscheidungen.
Nicht retten wollen. Löschen und neu. Eine schiefe erste Schicht zieht jede weitere mit, und man hört den ganzen Abend, dass etwas nicht sitzt. Zwanzig Sekunden neu aufnehmen ist billiger als fünf Minuten Ausbessern.
Manche speichern ganze Projekte darauf und starten sie im Konzert als fertige Playback-Spur. Das geht, ist aber nicht das, wofür so ein Gerät gebaut wurde, und dafür ist fast jedes andere Gerät besser geeignet.
Stark ist eine Loop Station in genau einer Disziplin: aus nichts in kurzer Zeit etwas Vollständiges bauen, während Leute zuschauen. Kein Bildschirm, kein Menü, keine Auswahl. Ein Knopf nimmt auf, derselbe Knopf beendet, und ab da läuft es. Diese Kompromisslosigkeit ist der Grund, warum das Gerät eine eigene Szene hervorgebracht hat.
Alles auf dieser Seite gilt genauso für Software. Loopy Pro auf dem iPad ist im Kern eine Loop Station, bei der du die Anzahl der Spuren, ihre Größe und ihre Anordnung selbst festlegst. Mehr dazu in Heft 2.
Loopen heißt, das Material im Moment aufzunehmen. Vorbereitete Muster abzufeuern ist etwas anderes, und beides ist legitim: die Groovebox in Kapitel 09 lebt genau davon. Im Kurs machen wir beides und mischen es. Wichtig ist nur, dass du weißt, was du gerade tust.
IM HEFT: KAP 08 · ALTE FASSUNG
Weil das Kapitel sonst erklärt, was die App ist, und nicht, was man tut: der Ablauf ist derselbe wie an jeder Loop Station aus Heft 1, nur dass die Fläche auf dem Bildschirm liegt.
Der Unterschied zur Hardware ist, dass du selbst bestimmst, wie viele Kacheln du siehst, wie groß sie sind und was daneben liegt. Bei einer Loop Station sind fünf Spuren fünf Spuren. Hier legst du dir hin, was dein Stück braucht.
Loopen selbst kostet kaum Rechenleistung. Teuer wird es dort, wo Klang berechnet wird, also bei Synthesizern und komplexen Effekten. Ein älteres iPad reicht für reines Loopen erstaunlich weit.
Der Platz ist aber nicht unendlich. Egal wie viele Plugins du gekauft hast, gleichzeitig laufen können immer nur so viele, wie das Gerät verkraftet. Genau deshalb benutzen die meisten für die Klangerzeugung etwas Externes: einen Hardware-Synth, die eigene Stimme, ein Instrument. Ich selbst lasse die Synths inzwischen auf einem kleinen Linux-Rechner laufen und schicke nur noch Audio ins iPad. Das iPad macht dann das, was es am besten kann, nämlich loopen und arrangieren.
Eine Mac-Fassung von Loopy Pro ist angekündigt, ein Datum gibt es nicht. Wer heute plant, sollte mit dem iPad planen.
IM HEFT: KAP 21 · ALTE FASSUNG
Benjamin Stanford, Künstlername Dub FX, ist ein australischer Musiker, der als Straßenmusiker weltweit bekannt wurde. Er baut seine Stücke ausschließlich aus der eigenen Stimme: Beatbox als Schlagzeug, gesummter Bass, Harmonien, Effekte, darüber Gesang und Rap.
Das Gerät, mit dem er das jahrelang gemacht hat, war eine Boss RC-50, gebaut für Gitarristen. Sie lag bei ihm auf dem Boden, bedient mit den Füßen, während oben die Stimme lief. Genau diese Verschiebung ist sein eigentlicher Beitrag: nicht ein neuer Trick, sondern ein Werkzeug in einer Rolle, für die es niemand vorgesehen hatte. Wer heute mit einer Loop Station Beatbox macht, steht in dieser Linie, ob er es weiß oder nicht.
Sein Beitrag ist weniger ein technischer als ein didaktischer. Er hat den Vorgang sichtbar gemacht. Wer ihm zuschaut, versteht in zwei Minuten, was eine Loop Station tut, weil jede Schicht vor den Augen des Publikums entsteht.
Irgendwann traf er Michael Tyson, den Entwickler von Loopy Pro. Daraus wurde ein Austausch zwischen jemandem, der jeden Abend auf der Straße an die Grenzen seines Geräts stieß, und jemandem, der die Software dahinter schreiben konnte. Wer Kapitel 15 gelesen hat, erkennt das Muster wieder: dieselbe Schleife aus Spielenden und Bauenden, nur diesmal in Software statt in Blech.
Dub FX arbeitet heute nicht mehr mit der Hardware, mit der er berühmt wurde. Er hat seine Loop Station und seinen Hardware-Sampler durch ein iPad ersetzt und steuert alles über einen Controller.
IM HEFT: KAP 16 · ALTE FASSUNG