
Mit Loopy Pro wird das iPad Looper, Mischpult und Effektgerät in einem. Plugins liefern die Klänge, und die Oberfläche baust du dir so, wie sie zu deinen Händen passt.
Öffne Loopy Pro, nimm einen Loop auf und leg einen zweiten darüber. Dann schieb einen Knopf an eine andere Stelle.
Die Software, mit der ich arbeite. Entwickelt von Michael Tyson, einem unabhängigen Entwickler, der sie bis heute selbst betreut.
Der Anfang war ein Experiment auf dem iPhone. Tyson hatte Imogen Heap live loopen sehen und wollte herausfinden, was auf so einem Gerät möglich ist.
Bis 2012 konnten iOS-Musikapps nicht miteinander sprechen. Leute schrieben Tyson, ihr Gitarrenverstärker klinge super, aber in Loopy komme nur das trockene Signal an. Sein erster Reflex war, dass iOS eben so funktioniere. Dann kamen genug solcher Mails, dass er sich fragte, warum es eigentlich nicht so funktionieren sollte.
Audiobus Der erste Weg, auf dem zwei iOS-Musikapps ihr Audio aneinander weiterreichen konnten. Von Michael Tyson, demselben Entwickler wie Loopy Pro.Daraus wurde Audiobus, das erste System, mit dem iOS-Musikapps ihr Audio aneinander weiterreichen konnten. Apple zog nach, und seit 2015 gibt es den heutigen Standard: AUv3. Audiobus kam von ihm, AUv3 dann von Apple. Der Anstoß, dass iOS-Musikapps überhaupt miteinander reden, kam also aus der App-Ecke und nicht vom Hersteller des Geräts.
Ein AUv3-Plugin ist keine eigenständige App, sondern eine Erweiterung. Du kaufst im App Store einen Synthesizer. Der erscheint als Icon auf dem Homescreen und gleichzeitig als Baustein in der Liste jedes Host-Programms. Loopy Pro ist so ein Host. Der Synth läuft dann innerhalb von Loopy Pro, und sein Klang landet direkt auf einer Loop-Spur.
Wer vom Rechner kommt, kennt das unter einem anderen Namen: was VST auf Windows und Mac ist, ist AUv3 auf dem iPad. Dieselbe Idee, dasselbe Prinzip, andere Abkürzung. Viele Hersteller bauen beides, teils sogar dieselben Geräte. Sugar Bytes zum Beispiel, deren Turnado auf dem Rechner seit Jahren als Effektschleuder bekannt ist, gibt es genauso als AUv3 fürs iPad.
Praktisch heißt das: ein iPad, eine laufende App, darin Drum Machine, Synthesizer, Gitarrenverstärker und Hall gleichzeitig, alle in dieselbe Loop-Struktur geroutet. Kein Wechseln zwischen Apps, ein Projekt, ein Speicherstand.
Aus meiner eigenen Sammlung, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Damit du sie im App Store wiedererkennst, stehen hier die Symbole daneben, so wie sie auf dem Homescreen aussehen.
TurnadoSugar Bytes · Effekte
BLEASSSynths und Effekte
BlackholeEventide · Hall
MelaSynth, Effekte, MIDI
Fast alles davon gibt es als kostenlose Grundversion. Nimm erst die, spiel damit zwei Wochen, und kauf danach das, was dir tatsächlich gefehlt hat. Eine volle Plugin-Sammlung macht noch kein Set.
Der Hersteller selbst beschreibt Loopy Pro mit einem Satz, der die Sache trifft: „Loopy Pro is like musical Lego." Du legst dir Loops, Knöpfe, Regler, Flächen und Raster selbst auf die Oberfläche, so wie du sie brauchst.
Der Satz ist Werbung, trifft die Sache aber: die App gibt bewusst keinen festen Arbeitsablauf vor. Zwei Leute mit derselben App können zwei völlig verschiedene Instrumente vor sich haben. Deshalb schauen wir im Kurs zuerst, was du eigentlich spielen willst, und erst danach, welche Knöpfe dafür nötig sind.


Weil das Kapitel sonst erklärt, was die App ist, und nicht, was man tut: der Ablauf ist derselbe wie an jeder Loop Station aus Heft 1, nur dass die Fläche auf dem Bildschirm liegt.
Der Unterschied zur Hardware ist, dass du selbst bestimmst, wie viele Kacheln du siehst, wie groß sie sind und was daneben liegt. Bei einer Loop Station sind fünf Spuren fünf Spuren. Hier legst du dir hin, was dein Stück braucht.
Loopen selbst kostet kaum Rechenleistung. Teuer wird es dort, wo Klang berechnet wird, also bei Synthesizern und komplexen Effekten. Ein älteres iPad reicht für reines Loopen erstaunlich weit.
Der Platz ist aber nicht unendlich. Egal wie viele Plugins du gekauft hast, gleichzeitig laufen können immer nur so viele, wie das Gerät verkraftet. Genau deshalb benutzen die meisten für die Klangerzeugung etwas Externes: einen Hardware-Synth, die eigene Stimme, ein Instrument. Ich selbst lasse die Synths inzwischen auf einem kleinen Linux-Rechner laufen und schicke nur noch Audio ins iPad. Das iPad macht dann das, was es am besten kann, nämlich loopen und arrangieren.
Eine Mac-Fassung von Loopy Pro ist angekündigt, ein Datum gibt es nicht. Wer heute plant, sollte mit dem iPad planen.
IM HEFT: KAP 21 · ALTE FASSUNG
Weil „bau dir deine Oberfläche selbst" abstrakt bleibt, hier einmal ausführlich, wie das jemand tut, der davon lebt. Aus seinem eigenen Interview auf der Loopy-Pro-Seite, übersetzt und zusammengefasst.
Nach der Auflösung seiner Schulband stand er allein im Proberaum, mit einer Gitarre und einem kleinen Looper, der ungefähr fünfzehn Sekunden auf einer einzigen Spur konnte. Genau das reichte, um zu merken, dass eine Person allein etwas Größeres in Echtzeit bauen kann. Danach kamen ein besserer Looper, die RC-505, Beatbox-Battles und Straßenmusik. Dub FX war dabei früh ein Vorbild, weil man einen ganzen Song vor sich entstehen sah.
Loopy Pro hat er zum ersten Mal von Dub FX gezeigt bekommen, als frühe Testversion auf einem iPhone. Damit schließt sich der Kreis aus Kapitel 15: die Beatbox-Szene und die Software haben sich gegenseitig gefunden, lange bevor irgendjemand davon wusste.
Ich habe seine Arbeitsweise vor einiger Zeit vollständig aufgeschrieben und ins Netz gestellt: das Kristof7s-Kompendium. Darin steht deutlich mehr als hier, unter anderem sein Drum-Workflow, das Stapeln von Effekten, Sidechain, Buildups mit Crash auf der Eins und sein Acapella-System. Es gibt die Seite auch auf Englisch, falls dir das leichter fällt.
Nicht die Anzahl der Knöpfe. Sondern dass die Oberfläche aus seinem Spielen entstanden ist und nicht umgekehrt. Er hat nicht überlegt, was die App kann, sondern was er tun wollte, und danach gebaut.
IM HEFT: KAP 22 · ALTE FASSUNG
Auf der Loopy-Pro-Seite gibt es Porträts von Musikerinnen und Musikern. Am meisten lernt man daraus, wie unterschiedlich dasselbe Werkzeug benutzt wird.






Porträts von loopypro.com, Artist Spotlights.
Alle unter loopypro.com/artist-spotlights. Straßenmusik, Beatbox, Ukulele, Gitarre, Soul, Elektronik. Dasselbe Programm, völlig andere Musik.
IM HEFT: KAP 23 · ALTE FASSUNG
Der Rechner arbeitet Klang nicht einzeln ab, sondern häppchenweise. Die Größe dieser Häppchen heißt Puffer und wird in Samples angegeben. Kleiner Puffer heißt wenig Verzögerung, aber mehr Arbeit für den Rechner. Zu klein, und es knackst. Größer heißt sicher, aber träge. Beim Aufnehmen stellt man klein ein, beim Mischen darf es groß sein.
Unter der Haube passiert Folgendes: der Wandler misst die Spannung 44.100 Mal pro Sekunde und legt die Zahlen in einen Stapel. Ist der Stapel voll, weckt er den Rechner. Der hat jetzt genau so lange Zeit, alle Effekte für diesen Stapel durchzurechnen, wie das Abspielen des vorigen dauert. Wird er nicht rechtzeitig fertig, fehlt ein Stapel, und genau das hörst du als Knacken. Ein größerer Stapel gibt mehr Zeit pro Weckruf und ist deshalb sicherer, kostet aber Verzögerung, weil er erst voll werden muss.
Wie lange ein Puffer dauert, lässt sich ausrechnen: seine Samples geteilt durch die Zahl der Messungen pro Sekunde. Bei 48.000 Messungen pro Sekunde, kurz 48 kHz, sind 128 Samples 2,7 Millisekunden. So viel Latenz, also Verzögerung zwischen Anschlag und Ton, kostet jeder Puffer, und doppelt so groß heißt doppelt so lang.
Die zweite Zahl in denselben Einstellungen ist die Abtastrate. Sie sagt, wie oft pro Sekunde gemessen wird, meistens 44.100 oder 48.000 Mal. Höher heißt nicht automatisch besser, es heißt vor allem mehr Rechenarbeit. Wichtig ist nur, dass alle Geräte in einer Kette auf derselben Zahl stehen. Wer wissen will, was dabei physikalisch passiert und warum eine höhere Zahl nicht automatisch mehr Qualität bedeutet, findet das in „Samplerates: The Higher the Better, Right?“ aus der Reihe von FabFilter sehr gut gezeigt.
Das hängt daran, wo dein Set zusammenläuft. Läuft alles in Software, also im Rechner oder im iPad, brauchst du ein Interface: es bringt die Signale hinein und wieder heraus. Läuft alles in Hardware, brauchst du einen Mischer, der die Geräte zusammenführt, und der Rechner kommt gar nicht vor. Die meisten haben irgendwann beides, weil ein Interface mit vier Eingängen und eigenen Reglern schon fast ein Mischer ist.
Kurz fürs iPad: Es braucht ein Interface, das class compliant ist, und sobald mehr als ein Gerät dranhängt, einen Hub, der Strom durchreicht.
Normalerweise ist der Rechner der Host: er versorgt die angeschlossenen Geräte und redet mit ihnen. Ein iPad kann das auch, braucht dafür aber oft einen Adapter mit eigener Stromversorgung. Manche Geräte können selbst Host sein und einen Controller direkt aufnehmen, ganz ohne Rechner. Steht im Datenblatt „USB Host", heißt das genau das.
Die Begriffe dafür sind Host und Client: der Host versorgt und kommandiert, der Client hängt dran und gehorcht. Interessant sind Geräte, die beides können. Elektron hat im September 2026 die Outbox 8 vorgestellt, die einer Elektron-Maschine acht Ausgänge für Audio und Steuerspannung verpasst, und laut Hersteller auch mit anderen class-compliant Geräten arbeitet. Loopop hat sie ausführlich durchgespielt.
Ein iPad hat einen Anschluss. Sobald Interface, Controller und Strom gleichzeitig dran sollen, brauchst du einen Hub, der selbst Strom durchreicht. Drei, die ich nach längerem Suchen wirklich empfehlen kann:


Worauf es ankommt, ist nicht die Zahl der Buchsen, sondern ob der Hub Strom durchreicht. Ohne das geht dem iPad unterwegs die Luft aus, und ein Interface ohne Netzteil bekommt zu wenig.
Beide können Audio-Interfaces betreiben, ohne Treiber. Der Fachbegriff dafür heißt class compliant: das Gerät hält sich so genau an den USB-Standard, dass das Betriebssystem es ohne Zusatzsoftware erkennt. Am iPad ist das keine Bequemlichkeit, sondern die Bedingung, weil sich dort gar keine Treiber installieren lassen. Inzwischen sind die meisten kleinen Interfaces class compliant, aber es steht nicht immer groß auf der Packung. Im Zweifel danach suchen, bevor du kaufst.
Ansonsten hängt es am iPad meistens nur am Kabel und daran, ob genug Strom fließt. Ein Interface mit eigenem Netzteil ist die sichere Wahl. Klein und für unterwegs gut: die Zoom AMS-22 und die AMS-44, zwei beziehungsweise vier Eingänge, class compliant, und sie passen in eine Jackentasche.


IM HEFT: KAP 06 · ALTE FASSUNG