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Klang bauen

Was macht dieser Regler? Einen eigenen Klang bauen

12 DB PRO OKTAVE · 2-POL CUTOFF 1 KHZ 0 DB-12-24-36-48-60 -12 DB GRUNDTON 110 HZ OBERTÖNE 31631252505001K2K4K8K16K HZ Eine Oktave über dem Cutoff kommt noch ein Viertel durch. Die Obertöne klingen gedämpft weiter. 24 DB PRO OKTAVE · 4-POL CUTOFF 1 KHZ 0 DB-12-24-36-48-60 -24 DB 31631252505001K2K4K8K16K HZ Eine Oktave über dem Cutoff kommt nur noch ein Sechzehntel durch. Darüber bleibt fast nichts.
Blass: der Sägezahn ohne Filter. Kräftig: was übrig bleibt. Jeder Oberton sinkt um so viel, wie die Filterkurve an seiner Stelle unter der obersten Linie liegt.

Fast jeder Synth hat drei Stationen: Etwas schwingt, etwas formt, etwas macht laut und leise. Die meisten Regler gehören zu einer davon.

Mach jetzt

Dreh oben den Filter langsam zu und wieder auf. Das ist der Wah-Effekt aus tausend Tracks.

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Genauer, wenn du willst · 7 Abschnitte
KAP 13Was ein Synthesizer ist›Ein Synthesizer erzeugt Klang, statt ihn abzuspielen.1 min

Ein Synthesizer erzeugt Klang, statt ihn abzuspielen. Er hat keine Aufnahmen im Bauch, sondern baut die Schwingung von Grund auf selbst zusammen. Deshalb kann er Klänge machen, die es in der Natur nicht gibt.

IM HEFT: KAP 13 · ALTE FASSUNG

KAP 13Ein Synthesizer ist keine bestimmte Form›Das ist der häufigste Irrtum.1 min

Das ist der häufigste Irrtum. „Synthesizer" sagt nichts über das Gehäuse aus, sondern nur über die Art, wie Klang entsteht. Dieselbe Technik steckt in einem schrankgroßen Kabelmonster und in einer kleinen Kiste ohne eine einzige Taste.

Moog Modularsystem von 1973
Schrankgroß. Ein Modularsystem von 1973Attila Szász, CC BY-SA 4.0
Modularsystem mit Patchkabeln
Verkabelt. Jedes Kabel ist eine EntscheidungBrandon Daniel, CC BY-SA 2.0
Klassischer analoger Synthesizer mit Tastatur
Mit Tastatur. Die Form, die die meisten im Kopf habenCC BY 2.0
Desktop-Synthesizer ohne Tastatur
Ohne Tastatur. Ein Klangmodul, gespielt vom SequenzerR31bi, CC BY-SA 3.0

Alle vier sind Synthesizer. Keyboard und Synthesizer sind nicht dasselbe. Die Tastatur ist nur die Eingabe, also die MIDI-Seite. Man kann einen Synthesizer ohne Tasten haben, gespielt von einem Sequenzer. Und man kann ein Keyboard haben, das nur Aufnahmen abspielt und gar nichts synthetisiert.

IM HEFT: KAP 13 · ALTE FASSUNG

KAP 13Die drei Stationen, die fast jeder Synth hat›Jeder Klang lässt sich aus reinen Sinustönen zusammensetzen: der tiefste, der Grundton , bestimmt die Tonhöhe, die Obertöne darüber bestimmen die Klangfarbe , also ob etwas scharf, hohl oder rund klingt.6 min
Tasteoder MIDI-Note Oszillatorerzeugt den Ton Filternimmt Anteile weg Verstärkerregelt die Lautstärke Ausgangzum Lautsprecher Hüllkurvefür das Filter Hüllkurvefür den Verstärker LFOlangsame Schwingung NOTE GATE: TASTE GEDRÜCKT CUTOFF LAUTSTÄRKE TONHÖHE CUTOFF KLANG STEUERSIGNAL Steuersignale klingen nicht selbst. Sie drehen für dich an einem Regler.
Nur die durchgezogene Linie ist Klang. Eine Hüllkurve ist ein Verlauf über die Zeit, der Cutoff die Stelle, an der das Filter schneidet. Die Hüllkurve für das Filter und die für die Lautstärke können auch ein und dieselbe sein.
SÄGEZAHNRECHTECKDREIECKSINUS dB0-20-40-60 116116116116 scharf, vieleObertöne hohl, nasalwie eine Klarinette weicher alsRechteck rund, nurder Grundton 1 : 1/2 : 1/3 : 1/4 1 : 1/3 : 1/5 : 1/7 1 : 1/9 : 1/25 : 1/49 1 : 0 : 0 : 0 alle Obertöne nur ungerade nur ungerade keine Obertöne Wo die Form springt, entstehen kräftige Obertöne, wo sie nur knickt, schwache. Das Filter nimmt sie anschließend wieder weg.
Die vier Grundformen am Oszillator, darunter ihre Obertöne. Jeder Balken ist ein Sinuston: ganz links der Grundton, der nächste schwingt doppelt so schnell, der dritte dreimal so schnell, und so weiter.
Die Zahlen dazuHöhe in Dezibel (dB): eine Linie tiefer heißt ein Zehntel so stark. Die Zahlenreihe darunter ist das Stärkeverhältnis von Grundton, 2., 3. und 4. Balken: Beim Sägezahn hat der zweite Balken halb so viel Kraft wie der Grundton, der dritte ein Drittel. Rechteck und Dreieck haben nur die ungeraden (1, 3, 5, 7), beim Dreieck fallen sie mit dem Quadrat ab (1/9, 1/25), darum klingt es so weich. Das Rechteck ist genau halb oben, halb unten (Tastverhältnis 1 : 1). Wird der Puls schmaler, etwa 1 : 3, kommen auch gerade Obertöne dazu und es klingt dünner.

Jeder Klang lässt sich aus reinen Sinustönen zusammensetzen: der tiefste, der Grundton, bestimmt die Tonhöhe, die Obertöne darüber bestimmen die Klangfarbe, also ob etwas scharf, hohl oder rund klingt.

AUS SINUSTÖNEN WIRD EIN SÄGEZAHN SUMMESÄGEZAHN 1 SINUSTON 2 SINUSTÖNE 3 SINUSTÖNE 4 SINUSTÖNE 8 SINUSTÖNE 16 SINUSTÖNE Jeder neue Sinuston schwingt schneller und ist schwächer als der vorige. Mit jedem wird die Kante steiler.
Von unten nach oben gelesen ist das ein Filter bei der Arbeit: es nimmt die oberen Obertöne weg, und aus der scharfen Kante wird eine runde Welle.
  • Oszillator. Erzeugt einen rohen Grundton. Meist eine einfache Wellenform. Eine Sägezahnwelle klingt scharf und obertonreich, eine Sinuswelle weich und rund wie ein Pfeifton.
  • Filter. Nimmt Anteile aus diesem Klang wieder weg. Ein Tiefpass lässt die Tiefen durch und schneidet die Höhen ab. Das ist der Regler, den man in elektronischer Musik am deutlichsten hört, wenn ein Klang sich langsam öffnet oder schließt. Direkt daneben sitzt fast immer Resonanz: sie hebt genau die Frequenz an, an der das Filter gerade schneidet. Wenig davon macht den Klang pfeifender und präsenter, viel davon macht das Filterfahren erst zu dem Effekt, den man aus Acid und Techno kennt. Ganz aufgedreht fängt das Filter an, selbst zu pfeifen.
  • Hüllkurve und Verstärker. Bestimmen den Verlauf über die Zeit. Auf dem Gerät stehen dafür vier Buchstaben, A D S R, und du wirst sie überall wiederfinden: Attack, wie schnell der Ton da ist. Decay, wie schnell er von der Spitze abfällt. Sustain, auf welchem Pegel er stehen bleibt, solange die Taste unten ist. Release, wie lange er nachklingt, nachdem du losgelassen hast. Eine Orgel hält den Ton, solange die Taste unten ist. Ein Klavier fängt nach dem Anschlag sofort an abzufallen, auch wenn du hältst. Streicher brauchen einen Moment, bis der Ton da ist. Mit denselben vier Reglern kommt man in die Nähe von allen dreien.
LAUTLEISE TIEFHOCH CUTOFF MIT RESONANZ OHNE RESONANZ Der Tiefpass lässt links alles durch und schneidet rechts ab. Resonanz hebt genau die Schnittstelle an.
Cutoff verschiebt die Kante nach links oder rechts. Resonanz macht die Kante zur Beule, und ganz aufgedreht pfeift sie von selbst.

Was ein Filter wegnimmt, zeigt das Spektrum: der Klang zerlegt in Sinustöne, jeder als Balken an seiner Frequenz. Ein Sägezahn auf 110 Hertz, also 110 Schwingungen pro Sekunde, hat seine Obertöne auf 220, 330, 440 Hertz und so weiter. Gemessen wird in Dezibel, kurz dB: minus 6 dB heißt halb so stark, minus 12 dB ein Viertel.

[Die Mitmach-Grafik dazu steht oben.]

Neben dem Cutoff zählt die Flankensteilheit: wie viel das Filter oberhalb der Kante pro Oktave wegnimmt, also pro Verdopplung der Frequenz. Üblich sind 12 und 24 dB, auch 2-Pol und 4-Pol genannt. Ein 24-dB-Filter klingt entschiedener, weil eine Oktave über der Kante nur ein Sechzehntel übrig bleibt statt ein Viertel: beim Drehen hörst du genau, wo die Kante gerade steht. Daneben gibt es drei weitere Grundformen.

0 DB-12-24-36 TIEFPASS CUTOFF 1001K10K Lässt die Tiefen durch, nimmt die Höhen weg. HOCHPASS CUTOFF 1001K10K Lässt die Höhen durch, nimmt die Tiefen weg. BANDPASS MITTE 1001K10K Lässt nur einen Bereich um die Mitte durch. KERBFILTER MITTE 1001K10K Lässt alles durch außer einer Kerbe um die Mitte. HZ
Die Fläche zeigt, was durchkommt. Alle vier ohne Resonanz, im selben 12-dB-Raster wie die großen Grafiken. Englisch heißen sie Low-Pass, High-Pass, Band-Pass und Notch.
ADSR AttackDecay SustainRelease TASTE GEDRÜCKT
Attack und Decay laufen beim Anschlag ab, Sustain hält, solange die Taste unten ist, Release beginnt beim Loslassen.
ORGEL A kurz · S voll · R kurz hält, solange du drückst STREICHER A lang · S voll · R mittel braucht einen Moment KLAVIER A kurz · D lang · S null · R kurz fällt ab, auch wenn du hältst ZUPFEN (PLUCK) A kurz · D kurz · S null · R kurz vor dem Loslassen verklungen TASTE GEDRÜCKT, IN ALLEN VIER GLEICH LANG Derselbe Tastendruck, nur die vier Regler stehen anders.
Links zwei Klänge, die halten, rechts zwei, die von selbst verklingen. Orgel und Streicher unterscheiden sich nur in A und R, Klavier und Zupfen nur im D. Bei S voll hat D nichts zu tun.

Dazu kommt fast immer ein LFO, eine sehr langsame Schwingung, die selbst nicht klingt, sondern etwas anderes bewegt. Legt man ihn auf die Tonhöhe, bekommt man ein Vibrato. Legt man ihn auf das Filter, bekommt man das typische Wabern.

LFO, SEHR LANGSAM AUF DIE TONHÖHE GELEGT: VIBRATO Der LFO klingt selbst nicht. Er bewegt etwas anderes, immer im selben Rhythmus.
Auf die Tonhöhe gelegt ergibt er ein Vibrato, auf das Filter das typische Wabern, auf die Lautstärke ein Pulsieren.

IM HEFT: KAP 13 · ALTE FASSUNG

KAP 13Mehrere Stimmen übereinander: Unison›Viele Synthesizer können eine Stimme mehrfach übereinanderlegen.1 min

Viele Synthesizer können eine Stimme mehrfach übereinanderlegen. Das heißt Unison: mehrere Kopien derselben Stimme, jede ein wenig verstimmt, englisch Detune, und im Stereobild verteilt, also etwas weiter links oder rechts. Der Klang wird dadurch breiter und dicker. Viele verstimmte Sägezähne übereinander sind der typische Klang von Trance, bekannt als Supersaw.

Was dabei passiert, zeigt schon das kleinste Beispiel: zwei Sägezähne mit 110 und 111 Hz, also 110 und 111 Schwingungen pro Sekunde. Mal laufen sie gleichauf und verstärken sich, mal gegeneinander und schwächen sich ab. Dieses An- und Abschwellen heißt Schwebung, und es kommt genau so oft pro Sekunde, wie die beiden auseinanderliegen, hier also einmal. Mit mehr Stimmen überlagern sich viele solcher Schwebungen.

SÄGEZAHN 110 HZ UND 111 HZ, GESTRICHELT BEI 0 SEK: GLEICHAUF BEI 0,5 SEK: GEGENEINANDER Am Anfang laufen beide gleichauf. Eine halbe Sekunde später ist der schnellere genau eine halbe Schwingung voraus. SUMME BEIDER ÜBER 2 SEKUNDEN 0 SEK 0,5 SEK 1 SEK 1,5 SEK 2 SEK Von weitem bleibt nur der Umriss: breit, schmal, breit. Einmal pro Sekunde, weil 111 minus 110 genau 1 ergibt.
Zwei fast gleiche Töne verstärken sich im Wechsel und schwächen sich wieder ab. Je weiter sie auseinanderliegen, desto schneller die Schwebung. Sind beide gleich laut, geht der Umriss an der schmalsten Stelle ganz auf null, so wie im Labor darunter.

IM HEFT: KAP 13 · ALTE FASSUNG

KAP 13Verschiedene Arten, Klang zu bauen›Nicht jeder Synthesizer arbeitet gleich.3 min

Nicht jeder Synthesizer arbeitet gleich. Die Begriffe begegnen dir überall, deshalb hier die fünf wichtigsten, jeweils mit einem Satz vorneweg:

  • Subtraktiv. Fang mit einem obertonreichen Klang an und schneide weg, was du nicht willst. Der klassische Weg, und der, den die drei Stationen oben beschreiben.
  • FM. Zwei Schwingungen modulieren sich gegenseitig. Ergibt glasige, metallische und glockenartige Klänge, die subtraktiv kaum hinzukriegen sind.
Genauer: wie FM funktioniert

Genauer gesagt schiebt der Modulator die Tonhöhe des Trägers, also der Schwingung, die du hörst, rauf und runter, im Bild hundertmal pro Sekunde. So schnell hört man kein Wackeln mehr, sondern neue Obertöne. Wie stark geschoben wird, heißt Modulationsindex oder kurz β, am Gerät steht dafür zum Beispiel Amount oder Index. Je höher er steht, desto mehr Obertöne. Stehen Träger und Modulator in einem krummen Verhältnis zueinander, klingt das Ergebnis metallisch und glockenartig.

IM ZEITVERLAUF, 10 MILLISEKUNDEN ZERLEGT IN EINZELTÖNE MODULATOR: SINUS, 100 HZ TRÄGER: SINUS, 800 HZ ERGEBNIS: FM MIT β = 3 GESTAUCHT GEDEHNT β = 0: NUR DER TRÄGER β = 1: WENIGE OBERTÖNE β = 3: VIELE OBERTÖNE 200 HZ 800 HZ 1.400 HZ Je stärker die Modulation, desto mehr Obertöne rund um den Träger, immer 100 Hz voneinander entfernt.
Links derselbe Klang im Zeitverlauf, rechts zerlegt in seine Einzeltöne. Die Mitte ist der Träger, alles daneben entsteht erst durch die Modulation.
  • Wavetable. Statt einer festen Wellenform gibt es eine ganze Tabelle davon, und du fährst im Klang von einer zur nächsten. Gut für Bewegung und Entwicklung.
EIN REGLER FÄHRT DURCH DIE TABELLE Statt einer festen Wellenform liegen viele hintereinander. Der Klang wandert von einer zur nächsten.
Wavetable heißt: der Grundklang selbst verändert sich über die Zeit, nicht nur das Filter darüber.
  • Physical Modeling. Der Rechner simuliert ein echtes Instrument samt Material und Anblasgeräusch, statt es aufzunehmen.
  • Granular. Eine Aufnahme wird in winzige Stücke geschnitten, die Körner. Jedes bekommt ein kurzes Ein- und Ausblenden, dann laufen sehr viele davon gleichzeitig, überlappend und in neuer Reihenfolge.
DIE AUFNAHME, DREI TÖNE POSITION 0 MS100200300400 Die Körner werden rund um die Position aus der Aufnahme geschnitten, hier aus dem zweiten Ton. KLEINE KÖRNER, JE 5 MS Zu kurz für eine Tonhöhe. Es bleibt ein Summen oder Rauschen, die Aufnahme erkennst du nicht mehr. GROSSE KÖRNER, JE 100 MS Jedes Korn ist ein Stück der Aufnahme, gestrichelt das Ein- und Ausblenden. Du hörst noch, was es war.
Dieselbe Aufnahme, dieselbe Position, nur die Korngröße ist anders. Alle Zeilen haben denselben Zeitmaßstab.

Kurz: Kleine Körner machen aus der Aufnahme eine Klangfläche, große lassen sie in Schnipseln erkennbar.

Genauer: Korngröße, Position, Dichte

Die wichtigste Stellschraube ist die Korngröße, also wie lang jedes Korn ist. Üblich sind 1 bis 100 Millisekunden. Kleine Körner lösen die Aufnahme in eine Textur auf, eine Klangfläche, in der nichts Einzelnes mehr herauszuhören ist. Bei großen bleibt sie in Schnipseln erkennbar.

Dazu kommen die Position, also die Stelle in der Aufnahme, aus der die Körner stammen, die Dichte, also wie viele Körner pro Sekunde starten, und die Tonhöhe jedes Korns. Bleibt die Position stehen, kommen alle Körner aus demselben Moment und der Klang hält an. Das heißt Einfrieren. Wandert sie langsamer als normal durch die Aufnahme, wird der Klang länger, aber nicht tiefer. Das heißt Dehnen.

IM HEFT: KAP 13 · ALTE FASSUNG

KAP 26Stimmung: wie aus Takt ein Ton wird›Rhythmus und Tonhöhe sind dasselbe, nur unterschiedlich schnell.6 min

Rhythmus und Tonhöhe sind dasselbe, nur unterschiedlich schnell. Wer das einmal gehört hat, versteht, warum Akkorde klingen, warum jeder Ton eine Farbe hat und warum dein Synth einen Regler für die Feinstimmung braucht.

Vom Schlag zum Ton

Spiel eine Kick zweimal pro Sekunde, und du zählst mit. Zehnmal pro Sekunde, und es wird ein Wirbel. Ab etwa 20 Schlägen pro Sekunde hört dein Ohr auf zu zählen und hört eine Tonhöhe. Die Schläge pro Sekunde heißen dann Hertz (Hz). 110 Schläge pro Sekunde sind ein A, 220 das A eine Oktave darüber: doppelt so schnell heißt eine Oktave höher.

SCHLÄGE PRO SEKUNDE = HERTZRHYTHMUS: DU ZÄHLSTTONHÖHE: DU HÖRST EINEN TON1101001.000CA. 20120 BPMViertel120 BPMSechzehntelA155 HzA2110 HzA3220 HzA4KammertonDoppelt so viele Schläge pro Sekunde heißt: eine Oktave höher. 55, 110, 220, 440 sind viermal das A.
Dieselbe Achse für Rhythmus und Tonhöhe. Links stehen die Schläge einzeln, rechts verschmelzen sie zu einem Ton. Die Grenze ist weich, irgendwo zwischen 15 und 30.

Zwei Trommeln werden ein Intervall

Spielen zwei Trommeln gleichzeitig, die eine dreimal, während die andere zweimal schlägt, hörst du einen Polyrhythmus 3 : 2. Beschleunigst du beide gleich stark, wird daraus eine Quinte. Drei Trommeln im Verhältnis 4 : 5 : 6 werden ein Dur-Akkord. Dieselben Zahlen, die langsam als Groove laufen, klingen schnell als Harmonie. In der Web-Fassung dieses Hefts kannst du es oben selbst hören und umschalten.

In jedem Ton steckt ein Akkord

Ein gespielter oder gesungener Ton ist nie nur eine Frequenz. Über dem Grundton schwingen Obertöne mit dem Doppelten, Dreifachen, Vierfachen und so weiter (Heft 1, Kapitel 13, Sinustöne addieren). Hört man sie einzeln, sind es klare Töne: Oktave, Quinte, wieder Oktave, große Terz. Die Obertöne 4, 5 und 6 sind genau der Dur-Akkord aus dem Trommelversuch. Erst zusammen, und wenn sie sich gemeinsam bewegen, hört dein Ohr einen einzigen Klang mit einer Farbe.

IN EINEM A STECKEN DIESE TÖNE4 : 5 : 6 = DUR-AKKORD1A02A03E+24A05Cis−146E+27G−318A09H+410Cis−1411Dis−4912E+213F+4114G−3115Gis−1216A0NR.TONCENTCent: Abstand zur nächsten Klaviertaste, 100 Cent sind ein Halbton. Hell: weniger als 10 Cent daneben, apricot: deutlich daneben.
Obertonreihe über A mit 110 Hz. Jeder Punkt ist ein Sinuston, der in diesem einen A mitschwingt. Nach oben rücken sie immer enger zusammen. Die Cent-Zahl zeigt, wie weit er neben der nächsten Klaviertaste liegt.
Selbst ausprobieren: Obertöne am Mac sehen
Im Kurs live: Obertöne sehen

Das zeige ich am Synth, nicht im Video. Auf dem Mac laufen dafür zwei kostenlose Programme neben dem Synth: Signalizer (Open Source, als Plugin und als eigenes Programm) zeigt das Spektrogramm, also die Obertöne als Linien auf einer Zeitachse, die nach links wegläuft, dazu das Spektrum als Ausschläge und ein Oszilloskop. sMexoscope (GPL) ist ein schlichtes, groß lesbares Oszilloskop für die stehende Welle. Beide kannst du dir selbst installieren und hinter jeden Synth in deiner App oder DAW hängen.

Dein Klavier ist ein bisschen schief. Warum?

Reine Intervalle aus der Obertonreihe passen nicht lückenlos in zwölf gleiche Halbtöne. Die gleichstufige Stimmung, die fast jedes Keyboard, jede Groovebox und jede DAW benutzt, teilt die Oktave in zwölf gleiche Schritte zu je 100 Cent. Dafür ist jedes Intervall außer der Oktave ein wenig verschoben. Die Quinte nur um 2 Cent, die große Terz um 14 Cent nach oben. Hören kannst du das als Schwebung (Heft 1, Kapitel 13): Obertöne der beiden Töne liegen fast, aber nicht genau aufeinander, und der Klang schwillt an und ab.

REIN GESTIMMT GEGEN DIE KLAVIERSTIMMUNGINTERVALLVERHÄLTNISREINGLEICHSTUFIGZU TIEF · ZU HOCHOktave2 : 11200 CENT1200 CENTgenauQuinte3 : 2702 CENT700 CENT−2Quarte4 : 3498 CENT500 CENT+2Große Terz5 : 4386 CENT400 CENT+14Kleine Terz6 : 5316 CENT300 CENT−16Große Sexte5 : 3884 CENT900 CENT+16Naturseptime7 : 4969 CENT1000 CENT+31Balken: wie weit die Klavierstimmung vom reinen Intervall abweicht. Die Quinte passt fast, die Terzen nicht.
Gleichstufig ist ein Kompromiss: jede Tonart klingt gleich gut, keine ganz rein. Ältere Stimmungen und viele Musiktraditionen außerhalb Europas treffen andere Kompromisse.

Warum gerade zwölf?

Wenn rein schöner klingt, warum stimmt man dann nicht einfach alles rein? Weil Musik die Tonart wechselt. Stimmst du ein Tasteninstrument rein in C, klingt C-Dur perfekt. Spielst du darauf aber d-Moll, ist dessen Quinte D-A nur 680 statt 702 Cent groß. Der Akkord jault hörbar. Hör dir die Akkordfolge unten in beiden Stimmungen an.

C-DURQUINTE 702 CENTA-MOLLQUINTE 702 CENTD-MOLLQUINTE 680 CENTG-DURQUINTE 702 CENT
Rein in C gestimmt: drei Akkorde stehen sauber, d-Moll jault, weil seine Quinte 22 Cent zu klein ist.

Die Lösung ist, die Oktave in gleiche Schritte zu teilen. Dann klingt jede Tonart gleich gut, keine ganz rein. Bleibt die Frage, wie viele Schritte. Die Grafik zeigt die Teilungen von 5 bis 19, dazu gestrichelt die Obertöne des Grundtons, also die Stellen, an denen es rein klingt. Mit 12 Schritten liegen Quinte und Quarte nur 2 Cent neben den reinen, die Terzen 14 bis 16 Cent. Keine kleinere Teilung kommt da heran, und viel mehr Tasten pro Oktave wären kaum zu spielen. Teilungen wie 19 oder 31 treffen die Terzen sogar besser, sie werden in der Mikrotonalmusik benutzt.

95 GR. TERZ113 QUINTE137155 TÖNE6 TÖNE7 TÖNE8 TÖNE9 TÖNE10 TÖNE11 TÖNE12 TÖNE13 TÖNE14 TÖNE15 TÖNE16 TÖNE17 TÖNE18 TÖNE19 TÖNE
Die Oktave in gleiche Schritte geteilt, von 5 bis 19. Die gestrichelten Linien sind die Obertöne des Grundtons, in eine Oktave gefaltet, mit ihrer Nummer. Je näher die Striche einer Zeile daran liegen, desto reiner klingt diese Stimmung.
Was das am Gerät heißt

Fast jeder Synth hat zwei Stimmregler: Tune in Halbtönen und Fine in Cent. Klingen zwei Geräte zusammen schief, liegt es meist an Fine oder an der Grundstimmung (oft Master Tune genannt, Standard 440 Hz für das A). Detune zwischen zwei Oszillatoren ist dagegen Absicht: die Schwebung macht den Klang breit. Manche Synths und Apps laden außerdem ganz andere Stimmungen, das heißt dann Microtuning.

Quellen

Angeregt von drei Instagram-Reels aus meiner Sammlung, Grafiken und Ton hier sind eigene Umsetzungen: @thel.ab67, wann aus einem Schlag ein Ton wird, @benfilippone, Obertöne werden eine Stimme, @zacbradfordvoice, Obertöne der Stimme. Zur Frage, warum zwölf: Piano Mario, „Why are there 12 different notes?“ (englisch, ab 12:11).

IM HEFT: KAP 26 · ALTE FASSUNG

KAP 20Eurorack, der Baukasten›Eurorack ist ein Baukastenstandard für Hardware.2 min
Reihe einzelner Eurorack-Module
Die Bausteine. Jedes Feld ist ein eigenes Gerät: Oszillator, Filter, Hüllkurve, SequenzerDaniel Larsen, CC BY-SA 2.0
Gepatchtes Eurorack-System mit vielen Kabeln
Verkabelt. Jedes Kabel ist eine Entscheidung. Ohne Kabel passiert gar nichtsRobertverrecchia, CC BY-SA 4.0

Eurorack ist ein Baukastenstandard für Hardware. Statt eines fertigen Synthesizers kaufst du einzelne Bausteine: einen Oszillator, ein Filter, eine Hüllkurve, einen Sequenzer, jeweils als eigenes Modul. Du verkabelst sie selbst und bestimmst damit, was dein Instrument überhaupt ist.

OSZILLATOR FILTER HÜLLKURVE LFO SEQUENZER MISCHER macht den Ton nimmt weg formt zeitlich bewegt etwas sagt wann führt zusammen JEDES KABEL IST EINE VERBINDUNG, DIE ES AB WERK NICHT GIBT Dieselben Stationen wie in jedem Synthesizer aus Heft 1, nur einzeln zu kaufen und selbst zu verbinden. Ein Modul kann fehlen, dann fehlt die Funktion. Es kann auch dreimal da sein.
Schematisch: sechs typische Module in einem Gehäuse. In echt sind es meist mehr, enger und bunter.

Es ist genau die Kette aus Heft 1, nur auseinandergenommen: die Stationen werden zu einzelnen Geräten, die man beliebig zusammensteckt. Der Preis dafür ist, dass nichts vorkonfiguriert ist und man jede Entscheidung selbst treffen muss. Für den Einstieg ist das der falsche Weg, für später einer der interessantesten.

Die Module reden nicht über MIDI, sondern über CV, also Steuerspannung: ein Kabel trägt eine Spannung, und die sagt dem nächsten Modul, wie hoch, wie laut oder wie offen. Der Takt ist dort einfach ein kurzer Spannungsimpuls pro Schritt. Das ist der CV-Weg aus Heft 1, Kapitel 04.

Ausprobieren, ohne etwas zu kaufen

Zwei Adressen reichen, um das Ganze am Rechner durchzuspielen. VCV Rack ist ein kostenloses Modularsystem als Software, in dem echte Module nachgebaut sind. Bei ModularGrid stellst du dir ein Gehäuse zusammen und siehst sofort, was es kostet und ob es hineinpasst. Beides ist der billigste Weg herauszufinden, ob dich das überhaupt interessiert.

IM HEFT: KAP 20 · ALTE FASSUNG